Teil 2

Am nächsten Morgen fuhr ich zu Notarin Dr. Petra Schmidt. Eine eidesstattliche Versicherung: Ich hatte nie eine Vollmacht ausgestellt. Beglaubigt und registriert. Bei der Deutschen Bank ließ ich eine sofortige Sperre für alle Immobilientransaktionen eintragen – nur mit meiner physischen Anwesenheit und Lichtbildausweis. Bei Rechtsanwältin Elisabeth Kramer ließ ich noch am selben Tag eine unwiderrufliche Stiftung errichten und beim Grundbuchamt eintragen. Mit mir als alleinigem Treuhänder. Die gefälschte Vollmacht war damit wertlos.
Ich blieb offiziell „in Bad Füssing“, kehrte aber jede Nacht ins Beobachtungshaus zurück. Frau Bergmann brachte Kaffee und notierte weiter. Sabine und Martin fotografierten Möbel, empfingen einen Gutachter. Als Sabine anrief, spielte ich den Verwirrten. Sie betonte jedes „Erinnerst du dich nicht?“ – meisterhafte Vorbereitung auf die spätere Verteidigung.
Am 17. Tag kehrte ich „offiziell“ zurück. Müde, langsam, die Rolle des Geschwächten. Vier Tage bis zum 15. Juli. Sie verstärkten die psychologische Kriegsführung: erfundene Gespräche, erfundene Termine. Ich nahm jedes Wort auf. Am Abend des 13. Juli stand ich im dunklen Flur und hörte Martin sagen: „Er erinnert sich an nichts. Perfekt. Wenn er etwas anficht, nennen wir kognitive Beeinträchtigung. Zwei Tage, dann sind wir frei.“
Am 15. Juli zog ich den dunkelgrauen Anzug an, den ich früher zu großen Operationen getragen hatte. In der Küche sagte ich nur: „Ich habe Besorgungen.“ Sie lächelten erleichtert.
Um 14 Uhr öffnete ich die Tür des Notariats von Dr. Heinrich Vogt. Sabine wurde kreidebleich. Martin halb erhob sich. Der Makler und der Käufer starrten.
„Guten Tag. Ich bin Dr. Klaus Werner, der tatsächliche Eigentümer.“

Ich legte die eidesstattliche Versicherung vor, dann die Stiftungsurkunde und den Grundbucheintrag. Rechtsanwältin Kramer erklärte präzise, dass nur ich verfügungsberechtigt sei. Der Makler hatte die Titelprüfung versäumt. Der Käufer erhob sich wütend.
Als Sabine von meinem „verwirrten Gedächtnis“ sprach, spielte ich die Aufnahme ab: „Wenn er etwas anficht, nennen wir kognitive Beeinträchtigung … Zwei Tage, dann sind wir frei.“
Danach die Überwachungsfotos vom Mitternachtstreffen und den toxikologischen Bericht. Sabines Gesicht wurde aschfahl.
„Du hörtest auf, meine Familie zu sein, als du versuchtest, meinen Verstand zu zerstören und mein Haus zu stehlen. Jetzt bist du nur noch eine Angeklagte.“
Ich verließ den Raum, ohne mich umzudrehen.

Noch am selben Tag erstattete ich Anzeige bei Kriminalhauptkommissarin Anna Richter. Martin gestand in der Vernehmung: die Medikamente, die Fälschung. Sabine bestritt, bis die E-Mails mit dem Makler vorgelegt wurden – dann schob sie alles auf ihn. Zivilklagen folgten.
Am 29. Juli ordnete Richterin Claudia Meyer die Räumung an. Zehn Tage. Ich beobachtete vom Arbeitszimmer aus, wie sie den Mietwagen beluden. Sabine kam allein zur Tür: „Papa, bitte gib mir noch eine Chance.“
„Du hast kalkulierte Entscheidungen getroffen. Du hast diesen Weg gewählt.“
Ich schloss ab und ließ alle Schlösser austauschen.
Am 3. September saß ich in Saal 3b des Amtsgerichts. Sabine erhielt zwei Jahre Bewährung, 300 Stunden gemeinnützige Arbeit, 20 000 Euro Geldstrafe, 50 000 Euro Wiedergutmachung und fünf Jahre Berufsverbot in medizinischen Berufen. Martin drei Jahre Bewährung, 400 Stunden, 30 000 Euro, ebenfalls 50 000 Euro Wiedergutmachung und dauerhaftes Apothekerverbot.

Auf den Gerichtsstufen wartete Frau Bergmann. „Gerechtigkeit hat gesiegt. Manchmal braucht sie nur Hilfe.“
Ich fuhr nach Hause. Das Haus war still und mir allein gehörend. Ich machte Kaffee und öffnete den Laptop, um Programme zur Rechtsberatung für Senioren zu suchen. Schmerz in Zweck verwandeln.
Sie hatten versucht, mich zum Opfer zu machen. Ich hatte abgelehnt. Das war der wahre Sieg.


