TEIL 2

Nach diesem Tag war die Schule nie wieder derselbe Ort für mich.
Jedes Geräusch im Flur ließ mich zusammenzucken.
Jede laute Stimme erinnerte mich an diesen Mann vor unserer Klassenzimmertür.
Aber ich wusste nicht, dass ich später noch eine weitere Situation erleben würde, die mir zeigte, wie schnell sich ein normaler Schultag verändern kann.
Einige Jahre später arbeitete ich sogar wieder an meiner alten Schule.
Ich war inzwischen 22 Jahre alt und frisch aus dem College.
Ich bekam eine Stelle als Computer-Praktikant im Keller der Schule.
Der Keller war ein chaotischer Ort voller alter Geräte, Kabel und Server.
Aber dort unten gab es ein kleines Büro.
Es war fast luxuriös.
Zwei Kühlschränke.
Ein Fernseher.
Klimaanlage.
Und natürlich die Computeranlagen der Schule.
Meine ehemaligen Computerlehrer hatten mir geholfen, diese Stelle zu bekommen.
Sie kannten mich seit Jahren und vertrauten mir.
Die Arbeit machte Spaß.
Bis zu diesem Tag.
Ich saß während meiner Mittagspause allein im Büro und aß ein Sandwich.
Meine Kollegen Dave und Gary waren oben im Gebäude.
Dann klingelte mein Telefon.
Eine Mitarbeiterin aus dem Sekretariat war dran.
Ihre Stimme klang angespannt.
„Die Schule ist im Lockdown. Jemand könnte bewaffnet sein.“
Mein Herz blieb kurz stehen.

Ich sah mich um.
Mein Büro hatte nicht einmal eine richtige Tür.
Nur einen offenen Eingang.
Der Zugang zum Keller ließ sich nicht richtig abschließen.
Also tat ich das Einzige, was ich konnte.
Ich schaltete das Licht aus.
Ich schloss meinen Computer.
Und ich setzte mich im Dunkeln hin.
Mein Handy hielt ich in der Hand.
Ich schrieb Dave und Gary.
Keine Antwort.
Zwanzig Minuten vergingen.
Ich wusste nicht, was oben passierte.
Ich hörte keine Stimmen.
Keine Sirenen.
Nur Stille.
Dann hörte ich plötzlich die Kellertür.
Ein lautes Knarren.
Jemand kam die Treppe herunter.
Langsame Schritte.
Sie kamen direkt auf mein Büro zu.
Mein Herz raste.
Ich wusste nicht, ob ich rufen oder mich verstecken sollte.
Also kroch ich unter meinen Schreibtisch.

Die Person betrat den Raum.
Das Licht blieb aus.
Es war vollkommen still.
Ich hörte nur meinen eigenen Atem.
Dann vibrierte mein Handy.
Eine Nachricht.
In diesem Moment hatte ich das Gefühl, mein Herz würde stehen bleiben.
Die Schritte kamen näher.
Ich dachte:
Das ist es.

Ich sprang plötzlich unter dem Tisch hervor.
„Bitte tun Sie mir nichts!“
Der Mann griff nach meinem Arm und zog mich hoch.
Aber er war nicht, was ich erwartet hatte.
Er trug ein rotes kariertes Hemd, Jeans und eine rote schwarze Kappe.
„Keine Angst“, sagte er.
„Ich verstecke mich auch hier unten.“
Ich starrte ihn an.
„Wer sind Sie?“
Er sagte:
„Ich wollte meinen Sohn abholen. Ein Lehrer sagte mir, ich soll mich verstecken.“
Seine Erklärung klang logisch.
Aber etwas fühlte sich falsch an.
Dann schaute ich auf mein Handy.
Die Nachricht war von Dave.
Sie lautete:
„Das ist verrückt. Ein Mann mit einer Waffe hat Mr. Buckley angeschossen. Er trägt ein rotes Hemd und eine rote Kappe. Komm auf keinen Fall nach oben.“
Mir wurde kalt.
Ich hob langsam den Blick.
Der Mann vor mir trug genau diese Kleidung.
Rotes Hemd.
Rote Kappe.

Er bemerkte meinen Blick.
Sein Gesicht veränderte sich.
Ich wusste:
Er wusste, dass ich Bescheid wusste.
Plötzlich hörte ich einen Knall.
Ein Schuss.
Die Kugel traf irgendwo Metall im Keller.
Ich rannte.
Ich dachte an nichts anderes als weg.
Ich schaffte es zur Treppe.
Oben wartete bereits die Polizei.
Als der Mann den Keller verlassen wollte, wurde er sofort festgenommen.
Später erfuhren wir:
Er hatte tatsächlich auf unseren Lehrer Mr. Buckley geschossen.
Zum Glück überlebte der Lehrer.
Niemand wusste genau, was zwischen ihnen passiert war.
Nur, dass dieser Streit niemals hätte so weit kommen dürfen.

Wenn ich heute zurückblicke, erinnere ich mich an beide Lockdowns.
Der erste zeigte mir, wie schnell ein Fremder Angst in eine Schule bringen kann.
Der zweite zeigte mir, dass Gefahr manchmal näher ist, als man denkt.
Eine Schule sollte ein Ort sein, an dem man lernt.
An dem man Freunde findet.
An dem man sich sicher fühlt.
Aber manchmal reicht ein einziger Mensch aus, um alles zu verändern.
Und genau deshalb werde ich diese beiden Tage niemals vergessen.


