Ist es zeitlich möglich, dass sich Fabian aus Güstrow und Gina H in der Ulmenstraße getroffen haben?

Ist es zeitlich möglich, dass sich Fabian aus Güstrow und Gina H in der Ulmenstraße getroffen haben?

Ermittler zweifeln an zeitlicher Machbarkeit eines Treffens zwischen Fabian und Gina H. in der Ulmenstraße

Die Frage, ob der neunjährige Fabian aus Güstrow und die Angeklagte Gina H. sich am 9. Oktober 2025 in der Ulmenstraße getroffen haben könnten, beschäftigt die Ermittler und die Öffentlichkeit weiterhin.

Eine detaillierte Analyse der zeitlichen Abläufe legt nahe, dass ein zufälliges Zusammentreffen an diesem Tag äußerst unwahrscheinlich ist. Die Staatsanwaltschaft hatte zuvor die Theorie aufgestellt, dass die beiden sich bereits am Vortag des Verschwindens begegnet sein könnten, um eine Absprache für den 10. Oktober zu treffen.

Nun zeigen neue Erkenntnisse, dass die Zeitfenster für eine solche Begegnung kaum übereinstimmen.

Am 9. Oktober 2025 holte Fabians Mutter Dorina ihren Sohn um 10:15 Uhr von der Schule ab, weil er unter Nasenbluten und Bauchschmerzen litt. Sie ließ ihn allein nach Hause zur Spariner Straße fahren, wo er um 10:20 Uhr ankam.

Um 12:30 Uhr brachte sie ihm auf seinen Wunsch einen Döner zum Mittagessen. Danach durfte Fabian noch einmal raus, obwohl er am Folgetag, dem Tag seines Verschwindens, keine Erlaubnis hatte, die Wohnung ohne Genehmigung zu verlassen. Diese Unstimmigkeit in den Aussagen der Mutter wurde später von den Medien korrigiert, nachdem zunächst fälschlich berichtet worden war, dass sie ihm am 10.

Oktober das Rausgehen erlaubt hätte.

Die Handydaten zeigen, dass Fabians Gerät um 14:06 Uhr noch eine Verbindung zum heimischen WLAN hatte. Dann brach er mit dem Fahrrad auf. Beim Bäcker traf er laut Ermittlern seinen besten Freund, der auf dem Weg von der Schule nach Hause war.

Wenig später kamen die beiden gemeinsam an der Wohnadresse des Freundes in der Plauerstraße an. Zwischen 14:10 Uhr und 14:20 Uhr versuchte Fabians Handy, sich in das WLAN seines Kumpels einzuwählen, was bestätigt, dass er dort war. Weil der Freund jedoch zum Basketballtraining musste, schickte dessen Mutter Fabian weg.

Fabian brach um 14:20 Uhr in Richtung des Jugendclubs Alte Molkerei auf. Auf diesem Weg von der Plauerstraße könnte er durch die Ulmenstraße gekommen sein, die direkt an die Schweriner Straße grenzt und in unmittelbarer Nähe seines Wohnhauses liegt. Normalerweise hätte er um 14:25 Uhr in der Ulmenstraße ankommen müssen, wenn er die Strecke ohne Verzögerung zurücklegte.

Google Maps gibt für diese Strecke etwa fünf bis sechs Minuten an. Von der Ulmenstraße bis zum Jugendclub benötigt man etwa zwei Minuten, sodass Fabian um 14:27 oder 14:28 Uhr dort hätte eintreffen sollen. Tatsächlich kam er jedoch erst um 14:32 Uhr im Jugendclub an, also etwa fünf Minuten später als üblich.

Gina H. traf sich an diesem Tag von 13:14 Uhr bis 13:47 Uhr mit ihrem Bekannten Christian D. am Krebssee bei Berlin.

Die Auswertung der Handydaten bestätigt dieses Treffen. Die beiden sprachen über die Beziehungsprobleme von Gina H. , wobei immer wieder Matthias R.

, der Vater von Fabian, thematisiert wurde. Eigentlich hatte die Angeklagte um 14 Uhr einen Termin bei der Familienhilfe der Arbeiterwohlfahrt in Güstrow, den sie jedoch nicht wahrnahm. Ihr Sohn war nicht bei ihr, als sie das Treffen mit Christian D.

beendete.

Die Fahrzeit vom Krebssee zur Arbeiterwohlfahrt beträgt etwa 17 bis 19 Minuten. Gina H. hätte also leicht verspätet um kurz nach 14 Uhr dort sein können, um den Termin wahrzunehmen, aber sie hatte ihren Sohn nicht dabei.

Eine Mitarbeiterin der Arbeiterwohlfahrt rief Gina H. deshalb um 14:14 Uhr an. Diese sagte in ihrer Vernehmung vor Gericht, dass es üblich sei, etwa eine Viertelstunde nach dem eigentlichen Terminbeginn bei der Person nachzufragen, warum sie nicht komme.

Gina H. behauptete am Telefon, dass ihr Sohn krank sei, obwohl er an diesem Tag in der Schule war. Das Gespräch endete um 14:25 Uhr.

Wichtig ist, dass der Richter Holger Schütt die Mitarbeiterin fragte, ob sie bei diesem Telefonat irgendwelche Geräusche wie Kinderstimmen oder Straßenverkehr wahrgenommen habe. Die Zeugin verneinte dies. Hätte Gina H.

direkt um 13:47 Uhr vom Krebssee aus losfahren und zur Ulmenstraße fahren können, wäre sie dort um 14:07 Uhr angekommen. Um 14:14 Uhr dann der Anruf der Arbeiterwohlfahrt. Was hätte sie in der Zwischenzeit in der Ulmenstraße gemacht?

Die einzige plausible Theorie wäre, dass sie durch Zufall über die Plauerstraße gesehen hat, wie Fabian dort losfuhr. Doch das passt zeitlich nicht, denn Gina H. müsste um 14:07 Uhr in der Ulmenstraße gewesen sein, während Fabian erst um 14:20 Uhr vom Haus seines Freundes losfuhr.

Das Gespräch mit der Mitarbeiterin endete um 14:25 Uhr, genau in dem Moment, als Fabian in der Ulmenstraße hätte ankommen müssen. Gina H. konnte jedoch nicht wissen, dass Fabian gleich vorbeikommen würde, da sie nicht gesehen hatte, wie er in der Plauerstraße losfuhr.

Sie stand bereits in der Ulmenstraße, als er noch gar nicht unterwegs war. Der Richter fragte die Mitarbeiterin auch, ob Gina H. bei dem Telefonat gehetzt gewirkt habe.

Auch das verneinte die Zeugin. Alles deutet darauf hin, dass Gina H. nicht in Eile war und kein dringendes Treffen mit Fabian geplant hatte.

Ein Zeuge gab an, am 9. Oktober um 14:30 Uhr einen auffälligen orangefarbenen Ford Ranger in der Ulmenstraße Ecke Schweriner Straße gesehen zu haben. Er wurde auf das Fahrzeug aufmerksam, als er selbst dort parken wollte.

Das Fahrzeug soll direkt oder unweit von seinem Wohnhaus geparkt haben. Der Zeuge war sich zunächst nicht sicher, ob er den Wagen am 9. oder 10.

Oktober gesehen hatte. Er erinnerte sich nur, dass er sich über das Auto geärgert hatte, weil es über zwei Parklücken geparkt war. Das Auto hatte er noch nie zuvor in der Straße gesehen.

Einige Zeit später entdeckte er das Fahrzeug in einer Zeitung im Zusammenhang mit dem Fall von Fabian.

Der Richter legte dem Zeugen ein Foto des Pickups von Gina H. vor. Der Zeuge sagte, er habe das Auto von der anderen Seite gesehen, also wahrscheinlich von der rechten Seite.

Daraufhin suchte der Richter ein entsprechendes Bild aus den Ermittlungsakten heraus, das das Fahrzeug von der anderen Seite zeigt. Als der Zeuge das Bild sah, sagte er: „Das ist der. Den Auspuff, den erkennt man.

“ Damit meinte er wahrscheinlich den Schnorchel, der an der rechten Seite von Ginas Fahrzeug angebracht ist. Diese Aussage untermauert die Theorie der Ermittler, dass Gina H. am 9.

Oktober in der Ulmenstraße gewesen sein könnte.

Doch die zeitlichen Abläufe sprechen dagegen. Gina H. müsste um 14:07 Uhr in der Ulmenstraße gewesen sein, nach dem Treffen am Krebssee.

Um 14:20 Uhr fuhr Fabian vom Haus seines Freundes los. Er brauchte fünf Minuten bis zur Ulmenstraße, wäre also um 14:25 Uhr dort gewesen. Um 14:25 Uhr endete das Gespräch mit der Mitarbeiterin der Arbeiterwohlfahrt.

Genau in dieser Minute müsste eine Verabredung zwischen Gina H. und Fabian stattgefunden haben. Gina H.

müsste ihm erklärt haben, warum sie ihn abholen wollte. Um 14:30 Uhr war nur noch das Fahrzeug da, weder Gina H. noch Fabian.

Fabian traf bereits um 14:32 Uhr im Jugendclub Alte Molkerei ein, für die Strecke von der Ulmenstraße bis zum Jugendclub benötigte er nur zwei Minuten.

Es könnte sein, dass Fabian auf dem Weg irgendwo angehalten hat, vielleicht weil er etwas Interessantes sah, etwa ein Geschäft mit einem Schaufenster. Es gibt viele Möglichkeiten, aber die Theorie eines zufälligen Treffens am 9. Oktober lässt sich mit den vorliegenden Daten kaum vereinbaren.

Die Ermittler müssen nun prüfen, ob es andere Erklärungen für die zeitlichen Lücken gibt oder ob die Aussagen der Zeugen und die Handydaten neu bewertet werden müssen. Der Fall bleibt weiterhin rätselhaft, und die Frage, wie es zu dem Treffen zwischen Fabian und Gina H. gekommen sein könnte, wird die Gerichtsverhandlung noch lange beschäftigen.