Dortmund steht nach bestätigtem Kreuzbandriss von Konstantelias vor einem Scherbenhaufen – Die Sportliche Leitung muss jetzt liefern
Die bittere Gewissheit hat Borussia Dortmund am heutigen Tag offiziell erreicht. Was sich am späten Abend des Pokal-Aus gegen den Hamburger SV bereits andeutete, ist nun traurige Realität: Der im Sommer für viel Lob und noch mehr Hoffnung geholte griechische Offensivspieler Jannes Konstantelias hat sich einen Kreuzbandriss zugezogen. Der 21-Jährige, der als der absolute Königstransfer des Sommers galt und für den die Verantwortlichen um Sportdirektor Ole Burg und Geschäftsführer Lars Ricken tief in die Tasche gegriffen hatten, fällt nicht nur für den Rest des Kalenderjahres aus.
Vielmehr müssen sich die Schwarz-Gelben auf ein Fehlen des Spielmachers über weite Strecken der Rückrunde einstellen. Die Diagnose ist ein Schlag ins Kontor, der die gesamte Saisonplanung des Vizemeisters über den Haufen wirft und die Frage aufwirft, wie dieser Ausfall auf dem ohnehin schon wackeligen Konstrukt des Kaders überhaupt kompensiert werden soll.
Die Stimmungslage in der Fankurve und in den sozialen Netzwerken schwankt zwischen tiefer Trauer, ohnmächtiger Wut und der bangen Frage nach dem Warum. Ausgerechnet der Spieler, der mit seiner Technik, seiner Spielintelligenz und seiner Torgefahr das offensive Spiel der Dortmunder auf ein neues Level heben sollte, wird nun Monate zusehen müssen. Die Euphorie, die nach dem Last-Minute-Transfer und den ersten gemeinsamen Minuten mit Landsmann Konstantinos Karezas aufgekommen war, ist schlagartig verpufft.
Man hatte sich in Dortmund ein griechisches Offensivduo erträumt, das die Bundesliga in Atem halten sollte. Gesehen hat man davon nur wenige Minuten im Spitzenspiel gegen den FC Bayern München und eine Halbzeit im Pokal gegen den HSV, ehe die Verletzung dem Traum ein jähes Ende setzte. Für den Spieler selbst dürfte dieser Rückschlag eine Katastrophe sein, doch auch für den Verein bedeutet dieser Ausfall eine Zäsur, die weit über den sportlichen Aspekt hinausgeht.
Die sportliche Leitung um Ole Burg und Lars Ricken steht nun vor einer Herkulesaufgabe. Schon vor der offiziellen Bestätigung der Diagnose hatte man durchsickern lassen, dass man die letzten Stunden des Transferfensters nutzen wolle, um zu reagieren. Die Nachricht, dass beide Funktionäre nicht mit der Mannschaft zum Bundesliga-Spiel nach Hamburg reisen werden, sondern in Dortmund an den Strippen ziehen, unterstreicht die Dringlichkeit der Lage.
Es geht nicht mehr um die Frage, ob man nachlegt, sondern nur noch darum, wie man das Unmögliche möglich macht. Die finanziellen Spielräume sind bekanntermaßen eng, ein teurer Neuzugang ist kaum zu stemmen. Die Realität auf dem Transfermarkt sieht so aus, dass es sich der BVB nicht leisten kann, ein Vermögen für einen Ersatz zu bieten, der nur für ein halbes Jahr kommen soll.
Die Devise lautet daher: Kreativität ist gefragt, und das Spektrum der Optionen reicht von internen Lösungen mit hohem Risiko bis hin zu ablösefreien Spielern oder Leihgeschäften mit Köpfchen.
Die naheliegendste, aber auch riskanteste Variante wäre die interne Lösung. Die Kaderplaner könnten sich dazu entschließen, den Ausfall mit vorhandenen Mitteln zu kompensieren und den jungen Talenten wie Samuele Inacio oder Matthis Albert mehr Verantwortung zu übertragen. Doch genau hier lauert die Gefahr.
Beide sind hochveranlagt, keine Frage, aber sie sind auch erst 18 oder 19 Jahre alt und haben noch nie über einen längeren Zeitraum die Last eines Stammspielers bei einem Champions-League-Klub getragen. Sie in dieser schwierigen Phase ins kalte Wasser zu werfen, könnte mehr schaden als nutzen. Man würde die Entwicklung der Jungs riskieren, um ein akutes Problem zu lösen, das man mit erfahreneren Kräften vielleicht besser in den Griff bekommen könnte.
Hinzu kommt, dass Konstantinos Karezas, der zweite Grieche im Bunde, selbst noch ein Teenager ist und nicht die alleinige Last der Kreativität schultern kann. Eine dauerhafte Lösung über die Jugendabteilung birgt das Risiko, dass der BVB in der entscheidenden Phase der Saison einbracht und die Champions-League-Qualifikation, das absolute Mindestziel, ernsthaft gefährdet.
Eine weitere interne Idee wäre, Marcel Sabitzer dauerhaft auf die Zehner-Position zu ziehen. Doch dieser Gedanke sollte im Keim erstickt werden. Sabitzer hat in seiner Zeit in Dortmund bewiesen, dass er nicht das Format für diese Schlüsselposition hat.
Abgesehen von einer starken Halbserie auf dem Weg ins Champions-League-Finale war sein Beitrag überwiegend enttäuschend. Ihm die Verantwortung für das offensive Spiel zu übertragen, wäre ein Rückschritt und würde die ohnehin schon angespannte Stimmung im Team kaum verbessern. Ähnlich verhält es sich mit Fabio Silva, der zwar als Backup für die Sturmspitze eingeplant war und durchaus über Qualitäten verfügt, aber ebenfalls nicht der Typ Spielmacher ist, der die Lücke von Konstantelias schließen kann.
Zudem war Silva noch bis vor wenigen Tagen ein Kandidat für einen Abschied, da er sich mehr Spielzeit erhofft. Ihn nun als Heilsbringer zu präsentieren, wäre gewagt.
Die externe Lösung scheint daher die einzig logische Konsequenz zu sein. Der Name, der in diesem Zusammenhang am häufigsten genannt wird und bei den Fans für Gänsehaut sorgt, ist der von Jadon Sancho. Der englische Nationalspieler ist nach seinem gescheiterten Engagement bei Manchester United und einer unglücklichen Leihe zum FC Chelsea immer noch vereinslos.
Er wäre der spektakulärste und vielleicht auch naheliegendste Kandidat. Sancho kennt den Verein, die Stadt und die Liga. Er müsste keine Eingewöhnungszeit benötigen und könnte sofort helfen.
Seine Fähigkeiten im Eins-gegen-Eins, seine Torgefahr und seine Kreativität sind unbestritten. Er würde dem Offensivspiel sofort neue Impulse geben und die Fans hinter sich bringen. Zudem wäre er mit 24 Jahren ein erfahrener Spieler, der die jungen Wilden im Kader führen könnte.
Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen wären ebenfalls machbar, da er ablösefrei ist. Man könnte ihm einen Vertrag bis zum Saisonende mit Option auf Verlängerung anbieten. Für Sancho selbst wäre es die letzte große Chance, sich für einen Top-Klub zu empfehlen und seine Karriere zu retten.
In Dortmund würde er die Bühne bekommen, die er braucht, um zu zeigen, dass er noch lange nicht zum alten Eisen gehört.
Doch so verlockend die Sancho-Rückkehr auch klingen mag, es gibt erhebliche Bedenken. Die Fitness ist das große Fragezeichen. Sancho hat seit Monaten kein Pflichtspiel bestritten und sich nur individuell fit gehalten.
Ob er das Tempo der Bundesliga und die Belastung von englischen Wochen sofort verkraftet, ist mehr als ungewiss. Zudem stellt sich die Frage nach der langfristigen Perspektive. Wenn Konstantelias in der neuen Saison wieder fit ist, was passiert dann mit Sancho?
Ein dauerhaftes Engagement würde die Offensive überbesetzen und das Gehaltsgefüge sprengen. Ein kurzfristiger Vertrag mit Option wäre da die eleganteste Lösung, birgt aber das Risiko, dass Sancho nach ein paar guten Spielen wieder abwandert. Trotz dieser Bedenken wäre Sancho die Option mit dem größten Potenzial, sowohl sportlich als auch emotional.
Er könnte die Mannschaft in dieser schwierigen Phase tragen und für die nötige Euphorie sorgen.
Neben Sancho werden noch andere Namen gehandelt. Reiss Nelson vom FC Arsenal wird genannt, ein weiterer englischer Flügelspieler. Doch im direkten Vergleich zu Sancho wäre Nelson die deutlich schlechtere Wahl.
Er hat in seiner Karriere nie das Potenzial abrufen können, das man sich von ihm erhofft hatte, und plagen ihn zudem immer wieder Muskelverletzungen. Er wäre ein Risiko, das man nicht eingehen sollte. Interessanter sind da schon die Leihkandidaten.
Ethan Vaneri, ein junger Spieler, der beim BVB schon länger auf dem Zettel steht, wäre eine Option. Er bringt trotz seines jungen Alters schon Profierfahrung mit und könnte mit seiner Dynamik und seinem Zug zum Tor helfen. Eine Kaufoption wäre zwar schwer zu bekommen, aber wenn es nur um die Überbrückung der Ausfallzeit geht, wäre das verschmerzbar.
Ähnlich verhält es sich mit Mikey Moore von Tottenham Hotspur, der noch nicht endgültig zum 1. FC Köln gewechselt ist. Auch er wäre eine spannende Leihgabe, die dem BVB in der Offensive neue Möglichkeiten eröffnen könnte.
Die sportliche Leitung muss nun abwägen, welche Lösung die richtige ist. Fest steht: Der BVB darf jetzt keine Experimente wagen. Die Champions-League-Qualifikation ist das Minimalziel, und das ist ohne adäquaten Ersatz in Gefahr.
Die interne Lösung wäre ein Glücksspiel, das nach hinten losgehen kann. Die Verpflichtung von Jadon Sancho wäre die spektakulärste und vielleicht auch effektivste Lösung, birgt aber Risiken. Die Leihe eines jungen Talents wie Vaneri oder Moore wäre die konservativste Variante, die aber vielleicht genau die richtige Balance aus Risiko und Chance bietet.
Die kommenden Stunden werden zeigen, wofür sich die Verantwortlichen entscheiden. Eines ist sicher: Die Uhr tickt, und der Druck ist enorm. Die Fans erwarten eine Reaktion, und der Verein muss liefern, um die Saison nicht noch vor dem ersten Höhepunkt zu einem Scherbenhaufen werden zu lassen.
Die Entscheidung, die jetzt getroffen wird, könnte die Weichen für den weiteren Saisonverlauf stellen.



