Mordprozess um Fabian: Handydaten belasten Angeklagte weiter
Rostock. Am zehnten Verhandlungstag im Mordprozess um den achtjährigen Fabian standen die umfangreichen Auswertungen des Mobiltelefons der Angeklagten Gina H. im Mittelpunkt. Ein Kriminalbeamter präsentierte dem Landgericht Rostock die Ergebnisse einer monatelangen Analyse digitaler Daten, die neue Einblicke in das Verhalten der 30-Jährigen vor und nach dem Verschwinden des Jungen liefern sollen.

Laut dem Ermittler wurden allein zwischen dem 9. und 14. Oktober 2025 mehr als 33.000 Ereignisse auf dem Smartphone der Angeklagten registriert. Darunter befanden sich über 1.100 Sprachnachrichten, mehr als 200 Telefonate sowie mehrere tausend Chatnachrichten. Die Auswertung zeichne das Bild einer von Eifersucht, Kontrollverhalten und Konflikten geprägten Beziehung zu Fabians Vater Matthias R.
Besonders aufmerksam verfolgte das Gericht die Darstellung der Ereignisse rund um den 10. Oktober 2025, den Tag von Fabians Verschwinden. Nach Angaben des Ermittlers fotografierte Gina H. an diesem Vormittag ihr Fahrzeug in unmittelbarer Nähe von Fabians Wohnort. Wenige Minuten später wurde das Handy des Jungen letztmals genutzt. Anschließend dokumentierten die Daten mehrere ungewöhnliche Vorgänge, darunter ein längeres Ausschalten ihres Mobiltelefons – ein Verhalten, das laut Ermittlern ansonsten praktisch nie vorkam.
Weitere Fragen wirft die Internetnutzung der Angeklagten auf. Bereits einen Tag vor Fabians Verschwinden recherchierte sie nach Möglichkeiten, ein Testament ohne Notar zu verfassen. Zudem fanden die Ermittler Suchanfragen zu Polizeimeldungen und später auch zu der Frage, ob Wildschweine menschliche Leichen fressen würden.
Große Bedeutung messen die Ermittler außerdem den Kommunikationsdaten nach dem Verschwinden des Kindes bei. Auffällig sei gewesen, dass Gina H. wiederholt Hilfe bei der Suche anbot, dieser Ankündigung jedoch nie konkret nachkam. Stattdessen führten ihre Aktivitäten schließlich zu jenem Waldgebiet bei Klein Upahl, wo die Leiche des Jungen später entdeckt wurde.
Der Prozess wird in den kommenden Tagen mit weiteren Zeugenvernehmungen fortgesetzt. Insbesondere die Aussagen von Personen, die gemeinsam mit der Angeklagten am Fundort gewesen sein sollen, werden mit Spannung erwartet.



