Mordprozess um Fabian: Abgehörte Telefonate belasten Angeklagte schwer

Im Mordprozess um den achtjährigen Fabian vor dem Landgericht Rostock hat der zwölfte Verhandlungstag für neue brisante Enthüllungen gesorgt. Im Mittelpunkt stand die Aussage des Zeugen Olaf K., eines Nachbarn und engen Vertrauten der Angeklagten Gina H. Seine Schilderungen sowie mehrere abgehörte Telefonate zeichneten das Bild einer Frau, die offenbar versuchte, ihr Umfeld zu beeinflussen und Ermittlungen in eine andere Richtung zu lenken.
Olaf K. berichtete, dass er Gina H. über Jahre hinweg bei der Arbeit mit ihren Pferden unterstützt und sie auch finanziell unterstützt habe. Nach eigenen Angaben vertraute er ihr lange Zeit blind. Erst nach ihrer Festnahme habe er begonnen, ihr Verhalten kritisch zu hinterfragen.
Besonders belastend wirkten Aussagen zum Abend des 13. Oktober 2025. Damals führte Gina H. den Zeugen nachts zu einem abgelegenen Tümpel bei Klein Upahl. Dort entdeckten sie eine Leiche, die später als Fabian identifiziert wurde. Olaf K. erklärte vor Gericht, dass Gina H. den Weg durch die Dunkelheit erstaunlich sicher gekannt habe. Zudem habe sie bereits vor einer offiziellen Identifizierung behauptet, es handele sich „zu 100 Prozent“ um Fabian.
Für Aufsehen sorgten außerdem mehrere abgehörte Telefongespräche. Darin äußerte Gina H. offenbar Sorgen über mögliche Spuren in ihrem Fahrzeug und sprach über Überwachungskameras in der Nähe des Fundortes. Die Ermittler sehen darin mögliche Hinweise auf Täterwissen. Zudem soll sie versucht haben, mit Olaf K. ein Alibi für den Tatzeitraum abzustimmen. In einem Gespräch erinnerte sie ihn sogar an konkrete Uhrzeiten, die er bei der Polizei angeben solle.
Ein weiterer Schwerpunkt war das Verschwinden eines Messers aus der Garage des Zeugen. Olaf K. schilderte, dass die Klinge zunächst verschwunden und später überraschend wieder aufgetaucht sei. Die Tatwaffe konnte bislang nicht eindeutig identifiziert werden.
Die Staatsanwaltschaft wertete die Aussagen des Zeugen als wichtiges Puzzlestück im Verfahren. Die Verteidigung hingegen betonte, viele Aussagen beruhten auf Vermutungen und müssten kritisch geprüft werden.
Der Prozess wird in den kommenden Tagen mit weiteren Zeugen fortgesetzt. Dabei dürfte insbesondere die Frage im Mittelpunkt stehen, ob die vorgelegten Indizien ausreichen, um Gina H. die Tötung des achtjährigen Fabian nachzuweisen.


