Mordfall Fabian: Rechtsmediziner widerspricht Verteidigung im Rostocker Prozess

Im Mordprozess um den achtjährigen Fabian vor dem Landgericht Rostock stand am neunten Verhandlungstag die Aussage des Rechtsmediziners Johannes Mannhart im Mittelpunkt. Seine Ausführungen könnten für den weiteren Verlauf des Verfahrens von großer Bedeutung sein.
Der Sachverständige schilderte detailliert die Verletzungen des Jungen. Nach seinen Angaben starb Fabian an sechs Messerstichen in die Herzregion. Mindestens zwei der Verletzungen seien für sich genommen tödlich gewesen. Besonders bemerkenswert war seine Einschätzung zur Tatbegehung: Die Verteidigung hatte zuvor argumentiert, eine Frau könne körperlich kaum in der Lage sein, derartige Verletzungen zu verursachen. Mannhart widersprach dieser Darstellung deutlich.
Nach seiner Erklärung könne eine Person, die sich über ein am Boden liegendes Opfer beugt, ihr gesamtes Körpergewicht einsetzen. Dadurch werde wesentlich weniger Muskelkraft benötigt, als allgemein angenommen werde. Die These, eine Frau könne eine solche Tat anatomisch nicht ausführen, sei daher wissenschaftlich nicht haltbar.
Zudem erläuterte der Rechtsmediziner die Spuren des späteren Brandes am Leichnam. Fabian habe zum Zeitpunkt des Feuers bereits nicht mehr gelebt. Darauf deute das Fehlen von Rußpartikeln in den Atemwegen hin. Brandgutachter erklärten außerdem, warum Teile des Körpers deutlich stärker verbrannt waren als das Gesicht. Ursache sei der sogenannte „Dochteffekt“, bei dem Kleidung und Körperfett das Feuer über längere Zeit nähren.
Für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgten weitere Indizien, die bereits im Prozess behandelt wurden. Dazu gehören DNA-Spuren des Jungen im Fahrzeug der Angeklagten, Auffälligkeiten bei Handy- und Fahrzeugdaten sowie abgehörte Telefonate, die aus Sicht der Staatsanwaltschaft belastende Hinweise enthalten.
Die Angeklagte Gina H. bestreitet weiterhin die Vorwürfe. Nach dem Grundsatz der Unschuldsvermutung gilt sie bis zu einem rechtskräftigen Urteil als unschuldig. Der Prozess wird in den kommenden Wochen fortgesetzt. Beobachter erwarten insbesondere eine mögliche Aussage der Angeklagten mit großer Spannung.



