Mordfall Fabian: Ermittler schildern auffälliges Verhalten der Angeklagten am Fundort
Am 14. Verhandlungstag im Mordprozess um den achtjährigen Fabian vor dem Landgericht Rostock standen die Aussagen von vier Polizeibeamten im Mittelpunkt. Die Ermittler waren zu unterschiedlichen Zeitpunkten an den Untersuchungen beteiligt und lieferten neue Einblicke in die Ereignisse rund um den Tod des Jungen.
Besonders eindrucksvoll war die Aussage eines Polizeibeamten, der unmittelbar nach dem Fund von Fabians Leiche am Tatort eingetroffen war. Er schilderte seine Eindrücke von den beiden Frauen, die den Jungen entdeckt haben wollen. Während die Zeugin Heike M. laut seinen Angaben sichtlich erschüttert gewesen sei, mehrfach geweint habe und emotional stark belastet wirkte, habe die Angeklagte Gina H. ein völlig anderes Bild abgegeben.
Nach Aussage des Beamten sei die heute 30-Jährige auffallend ruhig und kontrolliert gewesen. Besonders irritierend sei für ihn ein Kommentar gewesen, den Gina H. am Fundort gemacht haben soll. Mit Blick auf die abgelegene Örtlichkeit habe sie sinngemäß erklärt, dass sich die Stelle hervorragend eigne, um eine Leiche zu entsorgen. Der Ermittler beschrieb diese Äußerung als befremdlich angesichts der dramatischen Situation.
Für besondere Aufmerksamkeit sorgte auch die Aussage eines weiteren Kriminalbeamten, der die mutmaßlichen Abläufe vor der Tat anhand technischer Daten rekonstruiert hatte. Mithilfe von Mobilfunk- und Bewegungsdaten von Fabian und Gina H. habe er einen Zeitraum am 9. Oktober identifiziert, in dem sich beide möglicherweise begegnet sein könnten. Dieser Tag liegt unmittelbar vor dem mutmaßlichen Tatzeitpunkt.

Trotz zahlreicher Indizien bleiben die genauen Geschehnisse vom 9. und 10. Oktober weiterhin ungeklärt. Antworten könnte der nächste Verhandlungstag liefern. Dann soll ein Sachverständiger für operative Fallanalyse vor Gericht aussagen und seine Rekonstruktion des Tatgeschehens präsentieren. Seine Einschätzungen könnten für die weitere Beweiswürdigung von entscheidender Bedeutung sein.
Der Prozess wird in den kommenden Wochen fortgesetzt. Ein Urteil wird weiterhin erst nach Abschluss aller Beweisaufnahmen erwartet.



