Fabian aus Güstrow – Erkenntnisse des Profilers & weiterer Kriminalbeamter

Profiler zeichnet am 15. Prozesstag ein klares Täterbild im Fall Fabian

Der Fall Fabian aus Güstrow: Vom Verschwinden bis zum Prozess - Chronologie  eines Verbrechens

Am 15. Verhandlungstag im Mordprozess um den achtjährigen Fabian vor dem Landgericht Rostock stand die Aussage eines Profilers des Landeskriminalamts Mecklenburg-Vorpommern im Mittelpunkt. Der erfahrene Kriminalhauptkommissar präsentierte die Ergebnisse der operativen Fallanalyse, die den mutmaßlichen Tatablauf rekonstruiert und ein Täterprofil erstellt.

Fall Fabian: Zeugin fotografierte Jungen - Profiler stellt Theorie auf

Nach Einschätzung des Sachverständigen wurde Fabian nicht gewaltsam aus seiner Wohnung gelockt. Vielmehr sei er einer Person freiwillig gefolgt, zu der er Vertrauen hatte. Hinweise auf einen Kampf in der Wohnung gebe es nicht. Das Opfer habe lediglich seinen Ersatzschlüssel mitgenommen, während Handy und Geld zurückblieben.

Die Ermittler gehen davon aus, dass Fabian unmittelbar zum späteren Fundort bei Klein Upahl gebracht wurde. Der abgelegene Tatort spreche dafür, dass der Täter die Umgebung gut kannte. Die Analyse ergab außerdem, dass die Tötung geplant gewesen sei. Fabian erlitt insgesamt sechs Messerstiche, darunter zwei tödliche Verletzungen des Herzens. Abwehrverletzungen fehlten vollständig, was darauf hindeute, dass das Kind überrascht und schnell überwältigt wurde.

Besonders auffällig sei die anschließende Verbrennung der Leiche. Laut Profiler diente sie wahrscheinlich dazu, Spuren zu vernichten oder das Opfer vollständig zu entpersonalisieren. Gleichzeitig blieben Gesicht und eine Hand weitgehend unversehrt – ein Umstand, der auf eine persönliche Beziehung zwischen Täter und Opfer hindeuten könnte.

Der Sachverständige betonte jedoch, dass eine operative Fallanalyse keine eindeutigen Beweise wie DNA-Spuren liefere, sondern Wahrscheinlichkeiten bewerte. Dennoch komme das Expertenteam zu vier zentralen Schlussfolgerungen: Es habe sich um eine geplante Tat einer einzelnen Person gehandelt, der Täter stamme aus Fabians persönlichem Umfeld, kenne den Tatort genau und habe am Tattag über ein Fahrzeug sowie ausreichend Zeit verfügt.

Der Prozess wird am 1. Juli vor dem Landgericht Rostock mit weiteren Zeugen fortgesetzt.