Fabian-Prozess: Spuren am Tatort und digitale Daten rücken Angeklagte weiter in den Fokus

Am achten Verhandlungstag im Prozess um den gewaltsamen Tod des achtjährigen Fabian standen vor allem kriminaltechnische Beweise im Mittelpunkt. Die Staatsanwaltschaft präsentierte eine Reihe von Indizien, die nach ihrer Auffassung die Angeklagte Gina H. mit dem Tatort verbinden.
Polizeibeamte schilderten zunächst die Situation am Fundort der Leiche in einem Waldgebiet bei Klein Upahl. Nach ihrer Aussage habe die Angeklagte gemeinsam mit einer Begleiterin den Leichnam entdeckt und selbst die Polizei verständigt. Mehrere Ermittler beschrieben das Verhalten der beiden Frauen als ungewöhnlich ruhig. Zudem habe Gina H. bereits vor Beginn der Spurensicherung erklärt, ihre eigenen Schuhabdrücke könnten sich am Fundort befinden, da sie sich der Leiche genähert habe.
Ein Sachverständiger für Schuhspuren erläuterte anschließend die Auswertung von insgesamt 14 Abdrücken im feuchten Waldboden. Mehrere Spuren wiesen nach seinen Angaben Übereinstimmungen mit Schuhmodellen auf, die die Angeklagte sowie Personen aus ihrem Umfeld besaßen. Darüber hinaus wurden auch Schuhabdrücke des getöteten Jungen dokumentiert.
Besonders belastend bewertet die Anklage eine einzelne blaue Textilfaser, die unter einem Fingernagel des Kindes gefunden wurde. Ein Gutachter erklärte vor Gericht, dass diese Faser mit einem Pullover übereinstimme, der bei einer Durchsuchung im Schlafzimmer der Angeklagten sichergestellt worden sei. Die Verteidigung bestreitet jedoch einen eindeutigen Beweiswert und verweist auf mögliche alternative Erklärungen.
Auch digitale Spuren spielten im Prozess eine wichtige Rolle. Nach Angaben von Ermittlern fehlen im Speicher des Ford Ranger der Angeklagten Fahrzeugdaten aus dem mutmaßlichen Tatzeitraum. Während die Verteidigung eine technische Manipulation durch Dritte nicht ausschließt, hält die Staatsanwaltschaft diese Theorie für wenig plausibel.
Für großes Aufsehen sorgte schließlich die Vorführung von 157 Tatort- und Obduktionsfotos. Während der Präsentation zeigte sich Gina H. sichtlich emotional und verbarg zeitweise ihr Gesicht in den Händen. Das Verfahren wird in den kommenden Verhandlungstagen mit weiteren Zeugen und Sachverständigen fortgesetzt.


