Ein Pflegeheim für Alkoholkranke: Das ungewöhnliche Konzept vom Haus Öjendorf in Hamburg

In Hamburg gibt es ein Pflegeheim, das deutschlandweit ungewöhnlich ist: Im Haus Öjendorf erhalten alkoholkranke Bewohner kontrolliert Alkohol – ganz bewusst und unter Aufsicht. Dreimal täglich werden Bier, Wein oder Schnaps ausgegeben. Ziel ist nicht Abstinenz, sondern ein möglichst stabiles und würdiges Leben trotz schwerer Sucht.Alkohol-Abstinenz ist Eintrittskarte zum Passauer Kreuzbund

Rund 150 Männer und Frauen leben hier. Viele von ihnen haben jahrzehntelang Alkohol konsumiert, einige waren früher Manager, Handwerker oder LKW-Fahrer. Andere lebten lange auf der Straße. Die Bewohner kaufen ihren Alkohol selbst von ihrem Taschengeld, das in kleinen Beträgen ausgezahlt wird. Dadurch soll verhindert werden, dass alles auf einmal ausgegeben wird.

Pflegekräfte kontrollieren genau, wer wie viel Alkohol erhält. Wer bereits stark alkoholisiert ist, bekommt nichts mehr ausgegeben. Sozialarbeiter erklären, dass das Ziel darin besteht, exzessives Trinken zu vermeiden und den Alltag der Bewohner zu stabilisieren.

Einer der Bewohner ist der 67-jährige Holger Damberg. Seit seiner Jugend trinkt er Alkohol. Früher arbeitete er als Möbelpacker, heute lebt er im Haus Öjendorf. Dort hat er wieder Struktur im Alltag gefunden. Andere Bewohner malen Bilder, helfen bei kleinen Aufgaben oder arbeiten in der hausinternen Werkstatt.

Auch gemeinsame Veranstaltungen gehören zum Konzept. Beim jährlichen Oktoberfest gibt es Musik, Brezeln und Bier – allerdings streng kontrolliert. Das Pflegepersonal achtet darauf, dass niemand zu viel trinkt.

Viele Bewohner sagen offen, dass sie ohne das Heim vermutlich obdachlos wären. Das Haus Öjendorf versucht deshalb nicht, die Sucht sofort zu besiegen, sondern den Menschen trotz ihrer Abhängigkeit Sicherheit, Gemeinschaft und Würde zu geben. Für viele ist es der erste Ort seit Jahren, an dem sie sich wieder akzeptiert fühlen.