Fabian aus Güstrow – Die Aussage von Gina H. mit allen schmutzigen Details

Fabian aus Güstrow - Die Aussage von Gina H. mit allen schmutzigen Details

Der 22. Verhandlungstag im Mordprozess um den achtjährigen Fabian aus Güstrow ist am Montag zu einer emotionalen und hochbrisanten Zäsur geworden, als die Angeklagte Gina H. nach monatelangem Schweigen ihre 95-seitige Einlassung verlas und damit ein Bild von sich als Opfer einer zerrütteten Kindheit, toxischer Beziehungen und einer Verschwörung zeichnete, während die Staatsanwaltschaft weiterhin von einem kaltblütigen Mord aus Eifersucht und finanzieller Abhängigkeit ausgeht.

Die 30-jährige Angeklagte, die seit Prozessbeginn im April hinter Fußfesseln und einer roten Mappe versteckt in den Gerichtssaal geführt wurde, betrat am Montagmorgen um kurz vor 9:30 Uhr den Saal des Landgerichts Rostock in einem cremefarbenen Seidenoberteil, heller Jeans und Turnschuhen. Sie wirkte sichtlich nervös, knetete ihre Finger und spielte ununterbrochen mit einer silbernen Antistresskugel, während sie auf die Eröffnung durch den Vorsitzenden Richter Holger Schütt wartete. Das öffentliche Interesse war enorm, bereits in den frühen Morgenstunden hatte sich eine mehr als 150 Meter lange Schlange vor dem Gerichtsgebäude gebildet, die Polizei musste wegen Vordrängelern einschreiten, ein Beamter sprach gegenüber T Online von einem beispiellosen Andrang.

Richter Schütt eröffnete die Verhandlung pünktlich um 9:30 Uhr mit einer eindringlichen Ermahnung an das Publikum, jegliche Kommentare zu unterlassen, und kündigte an, dass die acht Beweisanträge der Verteidigung erst nach der Einlassung behandelt würden. Bevor Gina H. das Wort ergriff, drohte ihr Verteidiger Thomas Löcker dem Publikum unverblümt: „Wenn es hier Kommentare gibt, ist Feierabend, dann hören wir auf.

“ Die Angeklagte selbst bestätigte durch Nicken, dass ihre Ausführungen voraussichtlich länger als zwei Stunden dauern würden.

Mit leiser, monotoner und zittriger Stimme begann Gina H. ihre vorgefertigte Erklärung zu verlesen, wobei sie immer wieder ins Stocken geriet und sich mehrfach verhaspelte. Sie schilderte das Kennenlernen mit Fabians Vater Matthias R.

im Jahr 2021 als „Liebe auf den ersten Blick“ und betonte, dass der Spitzname „Adi“ nichts mit politischer Gesinnung zu tun habe. Die Zeit in Groß Breesen mit den Kindern beschrieb sie als harmonisch, räumte aber Reibereien ein, die in jeder Familie normal seien. Bereits nach vier Monaten wurde sie schwanger, entschied sich jedoch aufgrund ihrer depressiven Episoden gemeinsam mit Matthias für einen Schwangerschaftsabbruch, was sie weinerlich als psychisch und physisch belastend schilderte.

Ein zentrales Thema ihrer Einlassung war die angebliche häusliche Gewalt durch Fabians Vater. Gina H. berichtete von mehrfachen Handgreiflichkeiten, darunter ein Festhalten am Arm, das zu Verletzungen führte, und eine Umklammerung, die ihre Rippen gequetscht habe.

Diese Vorfälle, so behauptete sie, hätten die Kinder miterlebt und dazu geführt, dass Fabian den Respekt vor seinem Vater verlor. Sie erinnerte sich an das Frühjahr 2022, als der Achtjährige zu ihr gesagt haben soll: „Ich habe den Respekt vor ihm verloren. “ Seitdem habe Fabian seinen Vater nicht mehr „Papi“ genannt, sondern nur noch „Adi“.

Matthias R. hatte hingegen bei seiner Vernehmung jede Gewalt in der Beziehung bestritten.

Die Angeklagte versuchte auch, belastende Indizien zu entkräften. Ein in ihrem Auto gefundenes Stück Küchenrolle mit Blutspuren, das Fabian zugeordnet werden konnte, erklärte sie mit einem harmlosen Badeunfall im August 2025. Der Junge habe sich am Fuß verletzt, sie habe die Wunde mit einem Küchentuch getrocknet, das später von der Polizei sichergestellt worden sei.

„Genau dieses Stück mit diesem winzigen, durchwässerten Bluttropfen hat die Polizei später in meinem Auto gefunden“, sagte sie.

Besonders emotional wurde es, als Gina H. auf den Tod ihrer Lieblingsstute Tiffi und ihres Stiefvaters im Jahr 2024 zu sprechen kam. Sie entwickelte nach eigenen Angaben enorme Verlustängste und Panik, auch Matthias R.

zu verlieren, was sie zu ihrem kontrollierenden Verhalten trieb. „Aus heutiger Sicht hatte er bestimmt recht“, räumte sie ein, „damals habe ich mein Verhalten aber für angemessen empfunden. “ Die Trennung im August 2025 sei der absolute Tiefpunkt gewesen, zweimal habe sie versucht, sich das Leben zu nehmen, doch die Suizidversuche seien rechtzeitig bemerkt worden.

Die Angeklagte nahm auch ausführlich zu ihren Finanzen Stellung, um das von der Staatsanwaltschaft angenommene Motiv der finanziellen Abhängigkeit zu widerlegen. Sie betonte, dass sie gut von ihrer eigenen Rente leben könne, die Pacht für die Koppel von ihren Großeltern übernommen werde und die Kosten für ihre fünf Pferde überschaubar seien. „Ich war nicht von Matthias finanziell abhängig“, sagte sie, räumte aber ein: „Es ist nicht richtig, dass ich von Matthias finanziell abhängig war, aber ich gebe zu, dass es bequem war, dass er sich an den Kosten beteiligt.

“ Widersprüche zu ihren eigenen Sprachnachrichten, in denen sie sich häufig über Geldknappheit beklagte, ließ sie offen.

Ein weiterer Schwerpunkt war ihre zerrüttete Kindheit. Gina H. berichtete von einer drogenabhängigen Mutter, die sie geschlagen habe, und von einer Großmutter, die das Sorgerecht beantragte, als sie acht Jahre alt war.

„An meine Mutter habe ich nicht viele Erinnerungen. Sie hat mir nie gesagt, dass sie mich liebt“, sagte sie und fügte hinzu: „Ich will sie jedenfalls nie wiedersehen. “ Auch das Verhältnis zu ihrer jüngeren Schwester sei zerrüttet, der sie vorwarf, ihr die wenigen Freunde ausgespannt zu haben.

Die Angeklagte versuchte gezielt, zwei Männer als mögliche Täter ins Spiel zu bringen: den 37-jährigen Christian D. und den 56-jährigen Nachbarn Olaf K. Über Christian D.

, der sie als erste zum Leichnam geführt haben soll, sagte sie, er sei der erste Mann gewesen, bei dem sie fühlte, dass er auf sie eingehe, ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Sie berichtete von nächtlichen Ausfahrten auf Waldwegen, intimen Flirts und Küssen, betonte aber, dass es nie zu 𝒔𝒆𝒙 gekommen sei. „Er war der erste Mann, der mein Gesicht streicheln durfte“, sagte sie.

Christian D. habe sie bedrängt, die Polizei nicht zu rufen, aus Angst um seine Jagdlizenz und seine Ehe.

Über Olaf K. sagte Gina H. , er habe ihr gestanden, in seiner Jugend einen Menschen getötet zu haben, und sei rasend eifersüchtig auf Matthias R.

gewesen. Er habe ihr gedroht, ihr das Liebste zu nehmen, falls sie zu Matthias zurückkehre. „Ich denke aber, dass er damit nicht Fabian gemeint haben kann“, fügte sie hinzu.

Sie warf ihm vor, sie als Monster dargestellt zu haben, indem er behauptete, sie habe beim Leichenfund gelacht. „Mir war ganz sicher nicht zum Lachen zumute“, beteuerte sie.

Die Schilderung des Tattages am 10. Oktober 2025 war von Widersprüchen geprägt. Gina H.

bestritt vehement, Fabian in Güstrow getroffen zu haben, und erklärte, sie sei an diesem Tag nicht in der Stadt gewesen. Sie habe sich von 13 bis 15 Uhr mit Christian D. am Bolzsee aufgehalten und sei dann direkt zur Schule ihres Sohnes gefahren.

„Ich war nicht am Tümpel. Es wäre keine Zeit gewesen“, sagte sie. Die Aufnahmen ihrer Überwachungskamera, die ihren orangefarbenen Ford Ranger zweimal in der Nähe von Fabians Wohnung zeigten, erklärte sie mit einer vergessenen Bankkarte.

Die Angeklagte räumte ein, dass sie am 11. Oktober mit Olaf K. ein Alibi abgesprochen habe, weil in sozialen Medien bereits über ihre Tatbeteiligung spekuliert wurde.

Sie gab zu, dass sie Christian D. und Olaf K. am 13.

Oktober zum Tümpel geführt habe, betonte aber, dass Christian D. sie dorthin geführt habe, nicht umgekehrt. „Ich kann zu 100 Prozent ausschließen, dass ich vor ihm ging“, sagte sie.

Sie forderte beide Männer auf, die Polizei zu rufen, doch beide hätten sich geweigert.

Fabians Mutter Dorina L. , die den Prozess ruhig und gefasst verfolgte, blickte die Angeklagte während der gesamten Verlesung eindringlich an, verzog aber keine Miene. Sie ballte ihre Hände zu Fäusten auf dem Tisch, als Gina H.

über ihr Familienleben sprach. Die Mutter erhofft sich Antworten darauf, was mit ihrem Sohn passiert ist, doch die blieben bislang aus. Die Angeklagte entschuldigte sich zwar für ihre früheren Verdächtigungen gegenüber Dorina L.

, blickte sie dabei aber nicht an, sondern starrte weiter auf ihr Papier.

Nach mehr als zwei Stunden Verlesung war Gina H. auf Seite 50 von 95 Seiten angekommen. Richter Schütt ordnete eine halbstündige Pause an, nach der es zu einer technischen Panne kam, als ihr Mikrofon störende Brummgeräusche erzeugte.

Die Justizbeamten mussten das Problem erst beheben, bevor die Verhandlung fortgesetzt werden konnte. Die Angeklagte wirkte zunehmend unruhig, wippte nervös mit dem Fuß und knetete ihren Antistressball, während sie ihre Ausführungen fortsetzte.

Die Staatsanwaltschaft hält an ihrer Anklage fest, wonach Gina H. Fabian am 10. Oktober 2025 mit sechs Messerstichen getötet und seine Leiche anschließend in Brand gesteckt habe, um einen zentralen Streitpunkt in der Beziehung zu Fabians Vater aus dem Weg zu räumen.

Die Verteidigung hingegen versucht, ein Bild von einer psychisch labilen Frau zu zeichnen, die von den Männern in ihrem Umfeld manipuliert wurde. Der Prozess wird am Mittwoch, den 26. August, um 9:30 Uhr fortgesetzt, unter anderem mit der Aussage einer Polizeibeamtin, die Gina H.

verhört hat. Ob die Angeklagte bereit ist, Fragen des Gerichts zu beantworten, bleibt offen. Richter Schütt machte deutlich, dass die Kammer viele Fragen hat, insbesondere zu Widersprüchen und Details der Treffen, und warnte, dass das Gericht ihren Angaben möglicherweise nicht glauben könne, wenn sie keine Fragen zulasse.