Der BVB steht vor einem möglichen Verzicht auf eine teure Rechtsverteidiger-Alternative nach dem geplatzten Transfer von Hektor Fort, während sich gleichzeitig die Personalsituation bei Eintracht Frankfurt zuspitzt. Die Dortmunder Verantwortlichen um Sportdirektor Sebastian Kehl haben sich nach intensiven Verhandlungen gegen eine Verpflichtung des 20-jährigen Abwehrspielers entschieden, wie am Dienstag bekannt wurde. Der Grund für das Scheitern des Deals liegt in den von Forts Beratern geforderten Konditionen, die der Bundesligist nicht akzeptieren wollte.
Konkret ging es um eine Ablösesumme von 8,5 Millionen Euro, die auf den ersten Blick verlockend erschien, jedoch mit einer 50-prozentigen Weiterverkaufsbeteiligung und einer Rückkaufklausel von lediglich 20 Millionen Euro verbunden war. Diese Klausel hätte dem abgebenden Verein eine zu starke Kontrolle über die Zukunft des Spielers ermöglicht, was die Dortmunder Verantwortlichen als inakzeptabel einstuften. Die Entscheidung, das Geschäft platzen zu lassen, wird intern als richtig angesehen, auch wenn sie die Kaderplanung auf der rechten Abwehrseite erheblich erschwert.
Die Dortmunder Führungsetage um Kehl und Lizenzspielerchef Sebastian Schindzielorz hat nun eine schwierige Abwägung zu treffen. Einerseits ist die Not auf der Rechtsverteidigerposition offensichtlich, da der Kader dort dünn besetzt ist. Andererseits deutet vieles darauf hin, dass der BVB in der aktuellen Konstellation in die neue Saison gehen könnte.
Dies wäre nach Einschätzung von Beobachtern eine riskante Strategie, da die rechte Abwehrseite dann zur größten Baustelle im Kader avancieren würde. Die Verantwortlichen müssten spätestens im Winter nachbessern, was jedoch die Gefahr von überhöhten Preisen und mangelnder Verfügbarkeit mit sich bringt. Die Enttäuschung über die verpasste Verstärkung ist im Verein spürbar, zumal Kehl in diesem Transferfenster bereits viel bewegt hat.
Der Sportdirektor musste mit zahlreichen Altlasten und Hypotheken aus der Vorgängerära umgehen, was eine vollständige Sanierung des Kaders innerhalb einer einzigen Transferperiode nahezu unmöglich macht. Experten gehen davon aus, dass der Umbauprozess noch mindestens zwei Jahre in Anspruch nehmen wird, was dem Verein zugestanden werden muss.
Die Suche nach Alternativen zu Fort gestaltet sich äußerst schwierig, wie Transferreporter Patrick Berger bestätigt. Zu diesem Zeitpunkt des Transferfensters gibt es kaum Spieler, die sowohl sportlich überzeugen als auch finanziell für den BVB realisierbar wären. Eine Zusammenstellung von fünf möglichen Kandidaten wäre zwar möglich gewesen, hätte jedoch zu erheblichen Abstrichen in der Qualität oder Entwicklungsfähigkeit geführt.
Die Dortmunder Verantwortlichen sind sich einig, dass eine Verpflichtung nur dann sinnvoll ist, wenn man sportlich vollständig von einem Spieler überzeugt ist. Fort hätte in dieses Profil gepasst, doch die Verhandlungen scheiterten an den genannten Konditionen. Ob Kehl noch eine Überraschung aus dem Hut zaubern kann, bleibt abzuwarten.
Eine interessante Option wäre die Aktivierung der Rückkaufklausel für Tom Rothe, der die linke Seite absichern könnte. Dies würde jedoch bedeuten, dass Maximilian Beier vorerst als Schienenspieler auf der rechten Seite eingeplant werden müsste, was wiederum Konflikte mit der Verpflichtung von Ian Maatsen im Winter hervorrufen könnte.
Die Situation auf der Abgangsseite bleibt ebenfalls spannend, insbesondere im Hinblick auf Luca Rejani. Der italienische Innenverteidiger steht beim BVB in der Hierarchie relativ weit hinten und hat kaum Aussichten auf regelmäßige Einsatzzeiten. Laut Informationen von Transferreporter Matteo Moretto gab es Kontakt zwischen Rejanis Beratern und dem AC Mailand.
Der Spieler wurde den Mailändern angeboten, und eine Rückkehr nach Italien steht im Raum. Der BVB erhofft sich von einem möglichen Verkauf eine ordentliche Ablösesumme, die dann für weitere Transfers genutzt werden könnte. Allerdings ist fraglich, ob Rejani beim AC Mailand bessere Perspektiven hätte, da auch dort die Innenverteidigung gut besetzt ist.
Dennoch wäre ein Verkauf aus Dortmunder Sicht sinnvoll, wenn ein angemessenes Angebot auf den Tisch kommt. Die Verantwortlichen werden die Entwicklung in den kommenden Tagen genau beobachten.
Bei Eintracht Frankfurt zeichnet sich eine interessante Entwicklung ab, die den BVB indirekt betreffen könnte. Saudi-arabische Quellen berichten, dass Litz Doran im Visier von Al Ittihad steht. Diese Information deckt sich mit den Recherchen von Christopher Michel, der bei der Eintracht gut vernetzt ist.
Der Trainerstab um Roger Schmidt kennt Doran noch aus gemeinsamen Zeiten bei PSV Eindhoven, was die Wahrscheinlichkeit eines Transfers erhöht. Auf der Abgangsseite bei Al Ittihad ergibt sich eine Lücke, da Moussa Diaby vor einer Rückkehr zu Bayer Leverkusen steht. Doran könnte in diesem Szenario als Nachfolger eingeplant werden, was für die Frankfurter eine Chance auf eine solide Ablösesumme bedeuten würde.
Die Eintracht müsste dann jedoch einen passenden Nachfolger parat haben, was die Situation verkompliziert.
Genau hier kommt ein neuer Name ins Spiel: PSV Eindhovens Rakan Rakareivic wird von niederländischen Quellen mit Eintracht Frankfurt in Verbindung gebracht. Der 22-jährige offensive Mittelfeldspieler oder Flügelstürmer soll bei PSV auf der Verkaufsliste stehen, und neben Frankfurt zeigt auch Benfica Lissabon Interesse. Es handelt sich jedoch noch nicht um fortgeschrittene Verhandlungen, sondern eher um eine erste Kontaktaufnahme.
Rakareivic war in der vergangenen Saison kein Stammspieler bei PSV, stand lediglich achtmal in der Startelf und wurde 20mal eingewechselt. In 1521 Minuten erzielte er fünf Tore und bereitete fünf weitere vor, was auf dem Papier solide aussieht. Allerdings relativiert sich diese Statistik, wenn man bedenkt, dass zwei Tore und drei Vorlagen allein aus dem Spiel gegen Zwolle am 31.
Spieltag stammen. Dennoch scheint der Spieler technisch gut ausgebildet zu sein, verfügt über ein solides Tempo und bringt Torgefahr mit. Seine Passquote ist ebenfalls bemerkenswert, auch wenn diese bei hauptsächlich Joker-Einsätzen in der Eredivisie schwer seriös zu bewerten ist.
Die gesamte Entwicklung bei Eintracht Frankfurt hängt von mehreren Faktoren ab. Erstens muss der Wechsel von Moussa Diaby zu Bayer Leverkusen tatsächlich fixiert werden. Zweitens müsste sich Al Ittihad für Litz Doran als Nachfolger entscheiden.
Erst dann würden die Gespräche mit Rakareivic konkret werden. Die Frankfurter Verantwortlichen haben in der Offensive in den vergangenen Jahren viele richtige Entscheidungen getroffen, was die Hoffnung nährt, dass auch dieser Transfer gut durchdacht ist. Die kommenden Tage bis zum Deadline Day versprechen jedenfalls Spannung, sowohl für den BVB als auch für die Eintracht.
Die Dortmunder müssen sich entscheiden, ob sie mit dem aktuellen Kader in die Saison gehen oder doch noch eine Überraschung präsentieren. Die Frankfurter wiederum stehen vor der Herausforderung, einen möglichen Abgang von Doran adäquat zu kompensieren. Die Uhr tickt, und die Verantwortlichen beider Vereine arbeiten unter Hochdruck an den letzten Feinjustierungen.



