Fall Luise: Historisches Schmerzensgeld-Urteil für die Eltern

Der Mord an der zwölfjährigen Luise aus Freudenberg in Nordrhein-Westfalen erschütterte im März 2023 ganz Deutschland. Das Mädchen wurde von ihren beiden besten Freundinnen im Alter von 12 und 13 Jahren in eine tödliche Falle gelockt und anschließend getötet. Auslöser der Tat soll ein Streit in den sozialen Medien gewesen sein. Nach Erkenntnissen der Ermittler war das Verbrechen bereits mehrere Tage zuvor geplant worden.
Besonders erschütternd ist das Verhalten der Haupttäterin nach der Tat. Am Morgen nach dem Mord suchte sie die Eltern von Luise auf, umarmte die Mutter und erklärte, sie wisse nicht, wo das Mädchen sei. Tatsächlich wusste sie jedoch genau, was geschehen war.
Da die beiden Täterinnen zum Tatzeitpunkt noch nicht strafmündig waren, konnten sie strafrechtlich nicht verfolgt werden. Für die Familie des Opfers war dies ein schwerer Schlag. Deshalb entschieden sich die Eltern, vor dem Landgericht Koblenz eine Zivilklage einzureichen.

Nun hat das Gericht ein Urteil gefällt, das als beispiellos in Deutschland gilt. Die beiden Mädchen wurden zur Zahlung von insgesamt 125.000 Euro Schmerzensgeld sowie 15.000 Euro Bestattungskosten und weiteren Anwaltskosten verurteilt. Es handelt sich um einen der ersten Fälle dieser Art, in denen minderjährige, strafunmündige Täterinnen in einem Zivilverfahren zur Verantwortung gezogen werden.
Richter Martin Junker bezeichnete die Tat als heimtückisch und von niedrigen Beweggründen geprägt. Während der Urteilsverkündung wurde deutlich, wie sehr der Fall auch das Gericht bewegte. Zwar kann kein Urteil und kein Geld der Welt das Leben von Luise zurückbringen, doch das Gericht wollte ein klares Zeichen setzen: Eine derart grausame Tat darf nicht ohne rechtliche Konsequenzen bleiben.
Für die Eltern bedeutet das Urteil vor allem eines – die Anerkennung ihres Leids und das Gefühl, dass der Rechtsstaat ihr Schicksal nicht völlig unbeachtet lässt.



