Seit Stunden sitze ich vor dem Livestream und sage denselben Satz: „Schaut jetzt rein, der Link ist in der Beschreibung.“ Meine Stimme ist heiser, aber ich lächle weiter in die Kamera, während das…

Seit Stunden sitze ich vor dem Livestream und sage denselben Satz: „Schaut jetzt rein, der Link ist in der Beschreibung.“ Meine Stimme ist heiser, aber ich lächle weiter in die Kamera, während das...

Der Livestream läuft längst, und trotzdem suche ich noch immer meine Rolle darin. Ich habe das Gefühl, ich wiederhole mich. Seit Stunden sitze ich vor dem Bildschirm, die Stimme heiser vom vielen Sprechen, und sage immer wieder denselben Satz: „Hey Leute, schaut euch das Spiel doch jetzt live an – auf unserem Telegram-Kanal. Der Link steht in der Beschreibung.

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Ich weiß, wie wichtig es ist, die Leute bei Laune zu halten. Ein Fußballabend ohne Zuschauer ist, als würde man ins Leere spielen. Deshalb grinse ich in die Kamera, hebe die Stimme, versuche Begeisterung zu transportieren. Aber innerlich dreht sich alles nur noch um die eine Frage: Warum klicken so wenige?

Es ist nicht so, dass ich den Job nicht mag. Ich mag die Aufregung kurz vor dem Anpfiff, dieses wilde Herzklopfen, wenn ich den Stream starte. Ich mag es, wenn die ersten Kommentare eintrudeln, wenn jemand schreibt: „Endlich wieder Fußball! “ Das gibt mir das Gefühl, Teil von etwas Größerem zu sein.

Doch dann kommen die Minuten, in denen ich allein vor dem Mikrofon sitze. Die Stille im Raum ist lauter als jedes Stadion. Ich räuspere mich, klicke auf „Live“, wiederhole meine Einladung. „Freunde, verpasst nicht das Spiel!

Der Stream läuft jetzt auf unserem Kanal. Klickt auf den Link in der Beschreibung. Es ist kostenlos. “

Irgendwann frage ich mich, ob die Leute mich überhaupt hören.

Oder ob es ihnen egal ist. Vielleicht bin ich nur eine Stimme im Hintergrund, ein Rauschen zwischen zwei Toren. Vielleicht erwarten sie längst etwas anderes von mir, aber keiner sagt es. Und ich stehe hier, lächele weiter, während mein Hals brennt.

Das Schlimmste ist nicht die Wiederholung. Das Schlimmste ist die Unsicherheit. Wenn ich mal innehalte und mir vorstelle, dass es morgen wieder genauso wird. Derselbe Text.

Dieselbe Hoffnung. Derselbe Satz, den ich schon hundertmal gesagt habe, als könnte ich durch bloßes Wiederholen etwas ändern. Einmal, mitten in der Übertragung, hatte ich einen Moment, in dem ich dachte: Vielleicht ist das alles umsonst. Vielleicht ist niemand da.

Vielleicht schauen die Leute längst woanders hin. Ich sah auf meine Notizen, auf die Zahlen, auf die leeren Zeilen, die ich mir zur Motivation geschrieben hatte. Und ich hörte meine eigene Stimme, wie sie wiederholte: „Schaut rein, es lohnt sich, es ist kostenlos. “

Ich glaube, an diesem Abend habe ich zum ersten Mal verstanden, wie viel von mir in diesem kleinen Stream steckt.

Nicht nur die Worte, sondern die ganze Hoffnung, dass es morgen mehr sein werden. Dass aus dem Rauschen ein Chor wird. Dass sie bleiben. Aber dann kam der nächste Satz, automatisch, fast ohne mein Zutun: „Bis gleich auf unserem Kanal.

Der Link steht wie immer in der Beschreibung. “ Und ich dachte: Wie lange kann man dieselbe Tür öffnen, bevor niemand mehr eintritt? Am Ende des Abends sitze ich da, der Bildschirm flackert, das Spiel ist längst vorbei. Und ich frage mich nicht mehr, warum sie nicht kommen.

Ich frage mich, ob ich ihnen überhaupt je etwas anderes zu bieten hatte als diese eine, ewige Einladung. Es bleibt nur das Gefühl, das ich nicht abschalten kann. Dass irgendwo da draußen Menschen sind, die vielleicht nur auf ein Zeichen warten.

Aber ich wiederhole mein Zeichen schon so lange, dass ich selbst nicht mehr sicher bin, ob es noch eines ist.