München – Die Personalplanungen beim FC Bayern München nehmen weiter konkrete Formen an, doch offenbar gibt es zwischen Sportvorstand Max Eberl und Trainer Vincent Kompany unterschiedliche Auffassungen über die strategische Ausrichtung des Kaders. Wie aus Vereinskreisen durchsickerte, hat der belgische Coach nach den Verpflichtungen von Ismaila Sarr und Nathaniel Brown einen weiteren Top-Transfer gefordert, stieß damit jedoch auf den Widerstand der Klubführung.
Kompany, der nach seinem Amtsantritt im Sommer für einen frischen Wind an der Säbener Straße sorgen soll, hatte sich demnach vehement für die Verpflichtung eines dritten Offensivspielers eingesetzt, der das Niveau der beiden Neuzugänge erreichen sollte. Doch die sportliche Leitung um Eberl verfolgt eine andere Philosophie. Statt weiterer teurer Zugänge für den Profikader soll das verfügbare Budget vorrangig in die Nachwuchsabteilung des Rekordmeisters fließen, um langfristig eigene Talente zu entwickeln und zu fördern.
Diese Entscheidung stößt bei Kompany auf ein geteiltes Echo. Einerseits zeigt der 38-Jährige Verständnis für den eingeschlagenen Weg der Klubverantwortlichen, der in den vergangenen Jahren bereits mehrfach zu einer Verjüngung des Kaders geführt hat. Andererseits hätte sich der ehemalige Innenverteidiger aus sportlicher Sicht einen erfahrenen Akteur gewünscht, der sofort in der Startformation helfen kann und nicht erst eine längere Anlaufzeit benötigt.
Die Diskrepanz zwischen den Wünschen des Trainerteams und den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ist damit offensichtlich.
Trotz der unterschiedlichen Ansichten in der Transferfrage betont man beim deutschen Branchenführer, dass das Verhältnis zwischen Eberl und Kompany von Vertrauen und Respekt geprägt sei. Die Kommunikation laufe täglich, und man sei sich bewusst, dass der sportliche Erfolg oberste Priorität habe. Die aktuelle Situation sei kein Grund zur Sorge, sondern vielmehr Ausdruck eines intensiven Austauschs über die bestmögliche Kaderzusammenstellung für die anstehenden Herausforderungen in Bundesliga und Champions League.
Derweil gibt es im Fall Jamal Musiala eine vorsichtige Entwarnung. Der Offensivstar, der in der Vorbereitung gleich zweimal verletzt pausieren musste, hat das Training wieder vollständig aufgenommen und kann laut Sportvorstand Eberl ohne Einschränkungen belastet werden. „Mit ihm ist es so, dass wir ihm nach den zwei Vorfällen Zeit geben wollten, damit sich seine Anfälle beruhigen können.
Sobald das der Fall ist, kann er sofort wieder auf den Platz zurückkehren“, erklärte Eberl vor dem anstehenden Duell mit Schalke 04.
Der 22-jährige Nationalspieler war im Sommer mehrfach aufgrund gesundheitlicher Probleme ausgefallen, was sowohl beim Klub als auch bei den Fans für Unruhe gesorgt hatte. Nun scheint Musiala auf dem Weg der Besserung zu sein, auch wenn ein Einsatz am kommenden Wochenende noch nicht garantiert ist. Die medizinische Abteilung des FC Bayern will kein Risiko eingehen und beobachtet die Entwicklung des Spielmachers genau.
Entscheidend sei, wie sein Körper auf die Anpassung der Medikamentendosierung reagiere, hieß es aus Vereinskreisen. Ein erstes positives Signal ist die uneingeschränkte Trainingsfähigkeit in den vergangenen Tagen.
Während sich die Lage bei Musiala entspannt, sucht der FC Bayern weiterhin nach einer Lösung für Sacha Boey. Der französische Rechtsverteidiger stand am Deadline Day im Fokus mehrerer englischer Klubs, ein Wechsel kam jedoch nicht zustande. Wie der Transfer-Experte Matteo Moretto berichtet, hat sich der FC Fulham aus dem Rennen um den 23-Jährigen zurückgezogen.
Grund dafür ist die Entscheidung von Kenny Tete, den Klub aus London doch nicht zu verlassen. Damit ist die Personalie für die Engländer erledigt, und Boey bleibt vorerst an der Isar.
Doch für den Außenverteidiger ist das Transferfenster noch nicht vollständig geschlossen. In Österreich können bis zum 3. September noch Spieler verpflichtet werden, in der Türkei sogar bis zum 4.
September. Auch Saudi-Arabien bietet sich als Option an, dort läuft die Wechselperiode sogar noch bis zum 12. Oktober.
Ob einer dieser Märkte für Boey infrage kommt, bleibt abzuwarten. Der FC Bayern dürfte jedoch bestrebt sein, eine Einigung zu erzielen, um das Gehaltsbudget zu entlasten und dem Spieler die Möglichkeit zu geben, regelmäßig zu spielen.
Die Nachrichten aus der Bundesliga sind an diesem Donnerstag von zahlreichen Personalien geprägt. Während sich Borussia Dortmund über die Rückkehr von Nico Schlotterbeck ins Training freuen kann, muss der FC Köln um den Einsatz seiner beiden Torjäger bangen. Der Innenverteidiger des BVB hatte sich bei der Weltmeisterschaft in Nordamerika eine schwere Bänderverletzung im Sprunggelenk zugezogen und absolvierte nun seine ersten Einheiten mit dem Ball.
Die Dortmunder Verantwortlichen hatten eine Ausfallzeit von rund drei Monaten prognostiziert, nun scheint der 24-Jährige sogar leicht vor dem Zeitplan zu liegen.
Bei den Kölnern sorgt hingegen eine Krankheitswelle für Unruhe vor dem Auswärtsspiel in Stuttgart. Said El Mala und Thijs Dallinga, die beim Auftaktsieg gegen Hoffenheim für die entscheidenden Tore gesorgt hatten, mussten das Training am Mittwoch krankheitsbedingt abbrechen. Trainer René Wagner wollte sich auf der Pressekonferenz nicht festlegen und verwies auf die kurzfristige Entscheidung.
„Wir werden morgen sehen. Es könnte eng werden, wir müssen es Tag für Tag nehmen“, so der Coach. Ein Ausfall beider Angreifer wäre ein herber Rückschlag für die Kölner Offensive.
In Frankfurt sorgte derweil ein Besuch von Bundestrainer Jürgen Klopp für Aufsehen. Der neue Nationalcoach stattete dem Trainingsgelände der Eintracht einen Besuch ab und führte ein langes Gespräch mit dem aufstrebenden Stürmer Junus Ebner Talib. Der 22-Jährige hatte zuletzt mit einem Dreierpack gegen Union Berlin auf sich aufmerksam gemacht und gilt als eines der größten Talente im deutschen Fußball.
Klopp soll dem Angreifer die Perspektiven im DFB-Team aufgezeigt haben, um ihn für eine Zukunft in der Nationalmannschaft zu begeistern. Ob das Gespräch Früchte trägt, bleibt abzuwarten.



