Die Kälte kroch mir durch den Mantel, während ich mit dem Gewürzkuchen in den Händen vor der Tür meines Sohnes stand. Den ganzen Vormittag hatte ich gebacken, den handgestrickten Schal für Romi eingepackt und von einem warmen Weihnachtsfest geträumt. Durch die beschlagenen Fenster hörte ich Lachen und Musik. Als Bastian die Tür öffnete, sah ich keine Freude in seinem Gesicht, nur eine angespannte Grimasse.

„Mama”, murmelte er und warf einen nervösen Blick über die Schulter. Ich hob den Kuchen an, sagte, ich hätte seinen Lieblingskuchen und einen Schal für Romi dabei. Er trat nicht zur Seite. „Wir haben dich nicht eingeladen.
Geh”, blaffte er mit kalten Augen. Verenas Lachen klang aus dem Hintergrund, der Duft des Festtagsbratens wehte zu mir heraus. Ich war die Mutter, die ihn allein großgezogen hatte, die das Dach über seinem Kopf bezahlt hatte – und nun stand ich da wie eine unerwünschte Hausiererin. Er zischte noch einmal „Geh einfach” und zog die Tür zu.
Das Klicken des Schlosses hallte in der stillen Nacht nach. Ich ließ den Kuchen nicht fallen. Ich weinte nicht. Ich drehte mich um, stieg ins Auto und fuhr mit ruhigen Händen davon.
In meinem Haus am Stadtrand von Mainz setzte ich mich mit schwarzem Tee an den Tisch und schlug meinen Notizkalender auf. Jahrelang war ich ihr Sicherheitsnetz gewesen: Ich bezahlte Bastians Kfz-Versicherung, gab Verena eine Kreditkarte für angebliche Kinderausgaben, kochte, passte auf Romi auf und ertrug ihre passiv-aggressiven Kommentare. Ich hatte geglaubt, eine gute Mutter zu sein, hieße, sich endlos aufzuopfern. Aber heute Nacht war diese Illusion zerbrochen.
Sie wollten keine Mutter – sie wollten ein Bankkonto ohne Widerworte. Ich holte meinen Laptop und öffnete die Banking-App. Keine Tränen, keine dramatischen Erklärungen, nur das leise Klicken der Maus. Ich sah die Abbuchungen von einem Feinkost-Caterer und einer Edelboutique.
Keine Babykleidung, keine Lebensmittel. Mein Zeiger schwebte über dem Button: „Karte sperren und Zusatzkarten entwerten. ” Ich klickte.


