Es war ein schwüler Samstagnachmittag, und mein Garten war erfüllt vom Geplapper der Nachbarn und der halben Verwandtschaft. Ich hatte den gesamten Vormittag damit verbracht, Fleisch einzulegen, Klappstühle aufzustellen und den Caterer für das Dessertbuffet auf meiner Terrasse zu bezahlen. Mein Sohn Johannes und seine Frau Veronika veranstalteten diese Grillparty, um Veronikas kürzliche Beförderung in ihrer Werbeagentur zu feiern. Als sich die Traube um das Buffet ein wenig lichtete, griff ich nach einem Cupcake.

Ich war völlig erschöpft, mir taten die Füße weh und plötzlich überkam mich ein unbändiger Heißhunger auf etwas Süßes. Bevor meine Finger auch nur die Zuckerglasur streifen konnten, packte Veronikas Hand mein Handgelenk. Sie stieß meinen Arm energisch weg. “Die sind nur für erfolgreiche Menschen”, zischte sie von oben herab, wobei sie ihre Stimme zu einem leisen, spöttischen Tonfall senkte, damit die umstehenden Gäste das Gift in ihren Worten nicht mitbekamen.
Ich sah sie an und wartete auf eine Pointe, die nie kam. Mein Blick wanderte zu Johannes, der mit einem Bier in der Hand direkt neben ihr stand. Er korrigierte sie nicht, er verteidigte mich nicht. Er kicherte nur leise, nahm einen Schluck aus seiner Flasche und schaute weg, als wäre ich eine wildfremde Person, die gerade eine Grenze überschritten hätte.
Ich fing nicht an zu streiten. Ich machte keine Szene und verlangte auch keine Entschuldigung. Ich zog einfach meine Hand zurück, wischte sie an meiner Schürze ab und entfernte mich vom Buffet. Ich ging direkt durch die gläserne Schiebetür ins Haus und weiter in die Küche.
Der Lärm ihrer kleinen Feier verstummte hinter dem dicken Glas. Ich packte keinen großen Koffer. Ich nahm nur eine kleine Reisetasche, warf etwas Kleidung zum Wechseln, meine Medikamente und meinen Laptop hinein. Dann ging ich zur Haustür hinaus, stieg in mein Auto und fuhr davon, während sie draußen noch immer auf Veronikas glorreiche Zukunft anstießen.
Ich quarttierte mich in einer ruhigen kleinen Pension zwei Orte weiter ein, einem Ort mit schweren Vorhängen, wo niemand einen Grund hätte, nach mir zu suchen. Ich holte mir ein einfaches belegtes Brötchen vom Bäcker neben nahm eine heiße Dusche und setzte mich auf die Bettkante des stillen Zimmers. [… ] Ich war einfach nur Margarete Schäfer, eine 65-jährige Witwe, die in völliger ungestörter Stille saß.
[… ] Es gab verpasste Anrufe und Nachrichten. [… ] Ich sah zu, wie Johannes Name immer und immer wieder auf dem Bildschirm aufblinkte, bis er schließlich dunkel wurde.
[… ] Ich ignorierte all das und ging geradewegs die Treppe hinauf ins Hauptschlafzimmer. [… ] Wir haben ein System.
[… ] Ihre Karte ist am Limit, weil sie andauernd Essen bestellt. […
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