Die militärische Geschichtsschreibung des Zweiten Weltkriegs ist gespickt mit glanzvollen Namen, die das Bild der damaligen Kriegsführung bis heute prägen. Doch während Feldmarschälle wie Erwin Rommel oder Heinz Guderian im kollektiven Gedächtnis verankert sind, existiert eine Reihe hochdekorierter Befehlshaber, deren operative Meisterleistungen und strategische Innovationen weitgehend im Schatten der Geschichte verblassten. Eine neue Analyse wirft nun ein Schlaglicht auf fünf dieser vergessenen Generäle, deren militärisches Können unbestritten war, deren Vermächtnis jedoch durch die Verstrickung in die Verbrechen des NS-Regimes unwiderruflich belastet ist.
Die folgenden Porträts offenbaren die ambivalente Natur militärischer Exzellenz in einem Krieg, der von beispielloser Brutalität geprägt war.
Im Zentrum dieser Betrachtung steht zunächst Eduard Dietl, ein bayerischer Berufsoffizier, dessen Name untrennbar mit dem legendären Kampf um den norwegischen Hafen Narvik verbunden ist. Dietl, geboren 1890, übernahm im April 1940 das Kommando über die 3. Gebirgsdivision und führte seine Truppen in einer kühnen Operation an die norwegische Küste.
Die Anlandung erfolgte mit einer Flotte von zehn Zerstörern, die jedoch unmittelbar nach der Entladung der Truppen von überlegenen britischen Seestreitkräften versenkt wurden. Strandet und zahlenmäßig weit unterlegen, zogen sich Dietls Gebirgsjäger in die schneebedeckten Hügel um Narvik zurück. Dort leisteten sie über Wochen hinweg erbitterten Widerstand gegen eine alliierte Koalition aus norwegischen, britischen, französischen und polnischen Einheiten.
Die Verteidigung war geprägt von einer effektiven Nutzung der knappen Munitionsvorräte und der improvisierten Eingliederung der überlebenden Matrosen der versenkten Schiffe als Infanteristen. Dieser erfolgreiche Abwehrkampf, der letztlich zum Abzug der Alliierten führte, brachte Dietl den Ehrennamen „Held von Narvik“ ein und machte ihn über Nacht zu einem der prominentesten Militärs des Dritten Reiches.
Doch Dietls Karriere war von Beginn an eng mit der nationalsozialistischen Ideologie verwoben. Bereits 1923, während des gescheiterten Hitler-Putsches in München, verweigerte er als junger Offizier die Unterstützung der Zivilregierung zur Niederschlagung des Aufstands und zählte später zu den Gründungsmitgliedern der NSDAP. Diese politische Nähe zu Hitler förderte seinen Aufstieg, führte jedoch auch zu einer Reihe von fragwürdigen Entscheidungen.
Besonders problematisch war ein Befehl aus dem Jahr 1941, in dem er norwegische und finnische Frauen, die Beziehungen zu deutschen Soldaten eingegangen waren, als „rassischer Bodensatz“ diffamierte. Dieser Erlass wurde erst nach einer Intervention von Heinrich Himmler zurückgenommen. Überdies war Dietl in die Umsetzung des verbrecherischen Kommissarbefehls und den Einsatz von Zwangsarbeitern in Wehrmachts-Straflagern in Finnland und Norwegen verwickelt.
Sein Tod im Juni 1944 bei einem Flugzeugabsturz in der Steiermark beendete eine Karriere, die militärische Brillanz und moralische Verfehlung auf fatale Weise verband.
Ein weiterer Stratege, der aus der Vergessenheit geholt wird, ist Hasso von Manteuffel, ein Panzerkommandeur von bemerkenswerter Kühnheit. Geboren 1898, diente er im Ersten Weltkrieg und etablierte sich in der Wehrmacht als einer der fähigsten Führer gepanzerter Verbände. Sein Name ist vor allem mit der Ardennenoffensive im Dezember 1944 verbunden, wo er die 5.
Panzerarmee befehligte. In dieser letzten großen deutschen Offensive des Krieges gelang es Manteuffel, mit seinen Verbänden tief in die alliierten Linien einzudringen, wobei er taktisches Geschick mit einem aggressiven Vorstoß kombinierte. Obwohl die Offensive letztlich an der alliierten Übermacht und logistischen Engpässen scheiterte, wurde sein taktisches Vorgehen von Militärhistorikern und Gegnern gleichermaßen als herausragend bewertet.
Seine Fähigkeit, unerwartete Schwerpunktbildungen zu schaffen und die Moral seiner Truppen auch in aussichtslosen Lagen hochzuhalten, unterschied ihn von vielen seiner Kollegen.
Nach dem Krieg wechselte Manteuffel in die Politik und wurde für die FDP Mitglied des Deutschen Bundestages. Seine Karriere als Volksvertreter endete jedoch abrupt, als er 1959 wegen eines Kriegsverbrechens angeklagt wurde. Konkret ging es um die Erschießung eines Deserteurs im Jahr 1944, bei der Manteuffel ein ursprüngliches Hafturteil des Kriegsgerichts in ein Todesurteil umgewandelt hatte.
Er wurde zu 18 Monaten Haft verurteilt, was sein öffentliches Ansehen nachhaltig schädigte und die moralische Ambivalenz seiner militärischen Laufbahn unterstrich. Manteuffel, der nach seiner Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft 1946 auch als Berater beim Aufbau der Bundeswehr fungierte, bleibt ein Paradebeispiel für die Verquickung von militärischem Können und der Akzeptanz nationalsozialistischer Unrechtsjustiz.
Die Reihe der vergessenen Militärs setzt sich fort mit Hans Valentin Hube, einem Offizier, der den Spitznamen „Der Einarmige General“ trug. Hube, geboren 1890, verlor im Ersten Weltkrieg bei der Schlacht um Verdun seinen linken Arm, was seiner Karriere jedoch keinen Abbruch tat. Im Zweiten Weltkrieg kommandierte er die 16.
Panzerdivision und wurde zu einem der entscheidenden Akteure an der Ostfront. Besonders hervorzuheben ist seine Rolle in der Schlacht um Stalingrad, wo er trotz der verheerenden Niederlage der 6. Armee durch seine Führungsstärke und die Organisation von Ausbruchsversuchen auffiel.
Diese Leistungen brachten ihm das Ritterkreuz mit Eichenlaub und Schwertern ein, eine der höchsten Auszeichnungen des NS-Staates. Seine größte strategische Meisterleistung gelang ihm jedoch im Frühjahr 1944, als er die in der Kamenets-Podolsky-Tasche eingeschlossene 1. Panzerarmee befreite.
Dieser als „Hubes Kessel“ bekannt gewordene Rückzug gilt bis heute als eines der bemerkenswertesten Manöver der Panzerkriegsführung, da es ihm gelang, seine gesamte Armee nahezu ohne Verluste aus der Umklammerung der Roten Armee zu führen.
Für diese Erfolge wurde Hube am 20. April 1944, Hitlers Geburtstag, mit den Brillanten zum Ritterkreuz ausgezeichnet und zum Generaloberst befördert. Nur einen Tag später kam er bei einem Flugzeugabsturz ums Leben, als seine Heinkel He 111 kurz nach dem Start verunglückte.
Sein Tod wurde mit einem Staatsbegräbnis in Berlin gewürdigt, an dem Hitler persönlich teilnahm. Trotz seiner militärischen Genialität bleibt auch Hubes Vermächtnis nicht ungetrübt, da er als Befehlshaber an der Ostfront in einem Krieg kämpfte, der von Vernichtungsabsichten und rücksichtsloser Besatzungspolitik geprägt war. Seine Karriere zeigt, wie sehr operative Exzellenz in den Dienst eines verbrecherischen Angriffskrieges gestellt wurde.
Ein weiterer Name, der in der öffentlichen Wahrnehmung kaum präsent ist, ist Heinrich Eberbach, ein Panzerexperte der ersten Stunde. Eberbach, geboren 1895, diente im Ersten Weltkrieg und erlitt 1915 eine schwere Gesichtsverletzung, die zum Verlust eines Teils seiner Nase führte. Nach dem Krieg wechselte er zur Polizei, bevor er 1935 in die neu aufgestellte Wehrmacht eintrat.
Als Kommandeur des Panzerregiments der 4. Panzerdivision nahm er an den Blitzkriegen gegen Polen und Frankreich teil und erwarb sich einen Ruf als ausgesprochener Fachmann für mobile Kriegsführung. Seine Feuertaufe an der Ostfront erlebte er als Kommandeur der 5.
Panzerbrigade während der Operation Barbarossa. Im Jahr 1944, inzwischen zum General der Panzertruppe befördert, übernahm er das Kommando über die Panzergruppe West in der Normandie. Dort stand er der alliierten Invasion gegenüber und organisierte trotz massiver alliierter Luftüberlegenheit und erheblicher zahlenmäßiger Unterlegenheit wirksame Gegenangriffe und einen geordneten Rückzug, der den Vormarsch der Alliierten erheblich verzögerte.
Eberbachs Kriegsende war ebenso unspektakulär wie seine spätere Karriere. Am 31. August 1944 wurde er von britischen Truppen in seinem Quartier in Amiens überrascht und gefangen genommen.
In der Kriegsgefangenschaft arbeitete er, wie viele seiner Kameraden, an operativen Studien für die Historical Division der US-Armee mit, die unter der Leitung von Franz Halder erstellt wurden. Nach seiner Freilassung 1948 zog er sich ins Privatleben zurück und starb 1992. Eberbachs Geschichte verdeutlicht, wie sehr die militärische Elite der Wehrmacht nach dem Krieg versuchte, das eigene Handeln als reines, unpolitisches Handwerk darzustellen, während es doch integraler Bestandteil eines Vernichtungskrieges war.
Der letzte in dieser Reihe ist Kurt Student, der Pionier der deutschen Luftlandetruppen. Student, geboren 1890, diente im Ersten Weltkrieg als Kampfflieger und wurde nach der Machtübernahme Hitlers von Hermann Göring mit dem Aufbau der Luftwaffen-Ausbildung betraut. Ab 1938 kommandierte er die 7.
Flieger-Division, die erste Fallschirmjägerdivision der Welt. Seine innovative Doktrin der luftgestützten Kriegsführung wurde erstmals 1940 bei den überraschenden Angriffen auf Belgien und die Niederlande erfolgreich erprobt. Der Höhepunkt seiner Karriere war jedoch die Eroberung Kretas im Mai 1941, die als Operation Merkur in die Geschichte einging.
Obwohl die Insel erobert wurde, waren die Verluste unter den Fallschirmjägern so hoch, dass Hitler fortan keine großangelegten Luftlandeoperationen mehr genehmigte. Student bewies sein operatives Geschick erneut 1943 bei der spektakulären Befreiung Benito Mussolinis aus der Gefangenschaft am Gran Sasso, einer Aktion, die als Operation Eiche bekannt wurde.
Trotz dieser militärischen Erfolge ist Students Vermächtnis durch Kriegsverbrechen überschattet. Nach der Eroberung Kretas kam es zu massiven Vergeltungsmaßnahmen gegen die Zivilbevölkerung, darunter die Erschießung hunderter Geiseln. Für diese Verbrechen wurde Student nach dem Krieg von einem britischen Militärgericht verurteilt und zu fünf Jahren Haft verurteilt.
Er starb 1978 als letzter noch lebender Generaloberst der Luftwaffe. Seine Geschichte ist ein Paradebeispiel für die fatale Verbindung von militärischer Innovation und der rücksichtslosen Missachtung von Kriegsrecht und Menschlichkeit. Die Betrachtung dieser fünf Generäle zeigt, dass militärische Größe und moralische Verwerflichkeit im Dritten Reich oftmals zwei Seiten derselben Medaille waren.
Ihre taktischen Meisterleistungen sind unbestreitbar, doch ihre Einbettung in das verbrecherische System der Nationalsozialisten macht eine unkritische Heroisierung unmöglich.



