Mordprozess um Fabian: Angeklagte Gina H. will nach Monaten des Schweigens aussagen
Im Mordprozess um den achtjährigen Fabian vor dem Landgericht Rostock zeichnet sich eine bedeutende Wendung ab. Die 30-jährige Angeklagte Gina H., die seit ihrer Festnahme im November 2025 zu allen Vorwürfen geschwiegen hat, soll nach Angaben ihrer Verteidigung am 6. August erstmals eine umfassende Erklärung abgeben.
Die Staatsanwaltschaft wirft der Frau vor, Fabian am 10. Oktober 2025 aus Eifersucht getötet zu haben. Nach der Anklage soll sie den Jungen mit mehreren Messerstichen getötet und anschließend versucht haben, durch das Verbrennen der Leiche Spuren zu beseitigen. Die Ermittler gehen davon aus, dass die Tat im Zusammenhang mit der kurz zuvor erfolgten Trennung von Fabians Vater Matthias R. stand.
Besondere Aufmerksamkeit erregte der Prozess durch das Verhalten des Vaters des Opfers. Trotz der schweren Vorwürfe gegen Gina H. bestätigte er vor Gericht, wieder mit der Angeklagten liiert zu sein. Beobachter und Prozessbeteiligte reagierten darauf mit Fassungslosigkeit. Kriminalpsychologen verweisen in diesem Zusammenhang auf mögliche Mechanismen emotionaler Abhängigkeit und Manipulation.
Die Verteidigung kündigte an, dass Gina H. kein Geständnis ablegen werde. Stattdessen wolle sie verschiedene Vorwürfe und belastende Indizien aus ihrer Sicht richtigstellen. Dazu gehören unter anderem ihr Verhalten nach dem Verschwinden des Jungen, ihre Aussagen zu einem möglichen Alibi sowie ihr Auftreten nach dem Auffinden der Leiche.
Da es keine direkten Tatzeugen gibt, handelt es sich um einen sogenannten Indizienprozess. Für das Gericht wird daher entscheidend sein, ob die Gesamtheit der vorliegenden Beweise eine lückenlose Indizienkette ergibt oder ob begründete Zweifel an der Täterschaft bestehen bleiben.
Vor dem Urteil, das derzeit für September erwartet wird, soll zudem noch ein umfangreiches psychologisches Gutachten vorgestellt werden. Die Aussage der Angeklagten Anfang August könnte daher zu einem der wichtigsten Momente des gesamten Verfahrens werden.



