Die Mücken kamen in Schwärmen, jedes offene Fenster war eine Einladung. Ich erinnerte mich an Großvaters Worte: „Die Kleinen haben ihre Geheimnisse. Du musst nur ihre Nase treffen.“ Also holte ich…

Die Mücken kamen in Schwärmen, jedes offene Fenster war eine Einladung. Ich erinnerte mich an Großvaters Worte: „Die Kleinen haben ihre Geheimnisse. Du musst nur ihre Nase treffen.“ Also holte ich...

Die Mücken kamen in Schwärmen. Jedes offene Fenster war eine Einladung. Ich erinnerte mich an Großvaters Worte: „Die Kleinen haben ihre Geheimnisse. Du musst nur ihre Nase treffen.

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Ich holte die Vapodose aus dem Schrank. Ein Wattestäbchen, etwas Salbe, und ich strich sie sorgfältig an den Fensterrahmen entlang. Der Duft war stechend, fast medizinisch. Großvater hatte gesagt, dass Ameisen, Mücken und Kakerlaken diesen Geruch nicht ertragen.

Ich glaubte ihm. Er lag nie falsch. Am nächsten Morgen fand ich keine toten Insekten auf der Fensterbank. Nur Stille.

Ich atmete tief durch und ging in die Küche. Der Boden musste gewischt werden. Ich holte den Eimer. Großvaters zweites Geheimnis lag in einem Glasregal: Zimt, scharfer Paprika, Pfefferminzöl, Essig.

Ich gab alles hinein, dazu warmes und kaltes Wasser. Der Duft stieg auf – scharf, süß, beißend. Ich rührte um, tauchte den Mopp ein. Der Boden glänzte, und der Geruch blieb hängen.

Besonders vor der Tür zum Garten wischte ich gründlich. Dahin, wo die Ameisen ihren Weg fanden. Nach einer Stunde wagte sich keine einzige über die Schwelle. Ich lächelte.

Großvater hätte genickt. Dann fiel mir die Orange ein. Ich schnitt den oberen Teil ab, höhlte das Innere mit einem Löffel aus. Füllte es mit gemahlenem Kaffee, steckte Gewürznelken hinein, streute Zimt darüber.

Eine Zimtstange zündete ich an und legte sie in die Orange, setzte den Deckel wieder auf. Der Rauch zog durch die Küche, warm und würzig. Ich stellte die Orange auf die Fensterbank. Die Mücken, die noch zögerten, verschwanden.

Sie mochten diesen Duft nicht. Ich auch nicht, aber ich ertrug ihn. Es war besser als Chemie. Der Schwamm kam als Nächstes.

Großvater hatte ihn immer an einen Baum gehängt, ganz hinten im Garten. Ich rührte einen Liter Wasser mit Natron, granuliertem Knoblauch und Zimt an. Der Geruch war gewöhnungsbedürftig. Ich tauchte den Schwamm ein, drückte ihn aus und band eine Schnur daran.

Hängte ihn an den Ast des alten Apfelbaums. Von da an saßen keine Wespen mehr an der Terrasse. Ich konnte draußen essen, ohne ständig um mich zu schlagen. Dann die Lorbeerblätter.

Großvater hatte sie immer gekocht. Ich füllte einen Topf mit Wasser, gab eine Handvoll Lorbeerblätter und Nelken hinein. Das Wasser verfärbte sich dunkel, der Duft zog durch das ganze Haus. Ich ließ es abkühlen, füllte es in eine Sprühflasche.

Seitdem besprühe ich meine Pflanzen jeden zweiten Tag. Ein paar Tropfen unter jedes Blatt. Keine Läuse, keine Spinnmilben. Die Blätter blieben grün und kräftig.

Die Minze mit Essig war der stärkste Trick. Ich kochte getrocknete Minze in heißem Wasser, ließ es ziehen, seihte es ab und mischte Essig hinein. Das Zeug roch beißend, aber es wirkte. Ich sprühte es an die Eingänge, um die Ameisen und sogar die Mäuse fernzuhalten.

Seitdem habe ich keine Spur mehr von ihnen gesehen. Zuletzt die Kaffeetaschen. Ich mischte gemahlenen Kaffee mit zerbröselten Lorbeerblättern und Pfeffer. Wickelte die Mischung in Alufolie, stach kleine Löcher hinein und legte die Päckchen in meine Schuhe.

Ich legte eines auf die Küchentheke. Keine Fliegen, keine Kakerlaken. Der Sommer verging, ohne dass ich ein einziges Insektenschutzmittel kaufen musste. Ich dachte an Großvater.

Er hatte diese Tricks nie verraten, aber ich hatte ihm oft zugesehen. Jetzt wusste ich, warum er immer so ruhig saß, während alle anderen um ihn herum nach Mücken schlugen. Ich öffnete das Fenster. Der Abendwind wehte herein, und ich roch den Duft von Zimt, Minze und Kaffee.

Es war still. Kein Summen, kein Flattern. Nur ich und die Erinnerung an einen alten Mann, der wusste, wie man sein Haus beschützt.