Ich hatte es satt. Jeden Morgen das gleiche Bild: Silberfische auf der Badezimmerfliese, im Spalt neben der Badewanne, unter dem Waschbecken. Ich hatte schon alles probiert. Sprays, Fallen aus dem Supermarkt, noch mehr Putzen.

Nichts half. Sie kamen immer wieder, durch irgendeine Ritze von der Nachbarwohnung herüber. In einem Altbau mit vielen Wohnungen ist das ein Albtraum. Man kann die Wände nicht abdichten.
Feuchtigkeit zieht sie an, und nachts, wenn das Licht aus ist, werden sie aktiv. Sie sind zwar harmlos – sie beißen nicht, übertragen keine Krankheiten – aber dieses flinke, silbrige Gewusel auf den Kacheln macht mich jedes Mal fertig. Ich habe schon Teppiche und Tapeten geflickt, weil sie sich über die Stärke darin hermachten. Toilettenpapier lieben sie auch.
Irgendwann las ich von einem Trick. Es klang zu einfach, um zu funktionieren. Aber ich war verzweifelt. Ich nahm eine alte Zeitung, legte sie auf den Badezimmerboden und strich etwas Honig darauf.
Nur ein paar Tropfen. Silberfische können dem süßen Geruch nicht widerstehen. Der Honig klebt, sie bleiben stecken. Um sie noch mehr anzulocken, befeuchtete ich die Zeitung leicht.
Feuchte, warme Orte – das ist ihr Paradies. Ich sorgte dafür, dass im Bad sonst nichts Essbares lag. Keine Krümel, keine feuchten Handtücher. Die Zeitung war die einzige Nahrungsquelle.
Am nächsten Morgen war die Zeitung übersät mit toten Silberfischen. Der Honig hatte sie gefangen, die Feuchtigkeit hatte sie angelockt. Ich wiederholte die Falle drei Nächte lang. Dann blieb sie leer.
Doch ich wollte sichergehen, dass sie nicht wiederkommen. Also griff ich zu einem zweiten Mittel. Ich holte Wattepads aus der Packung und träufelte ätherisches Öl darauf. Lavendel.
Zitrusdüfte, Zimt, Rosmarin – all das hassen sie. Ich legte ein Pad unter den Mülleimer im Bad, ein zweites hinter die Waschmaschine. Ein drittes Pad tat ich in warmes Wasser und wischte damit die Fliesen. Der Duft zog durch den ganzen Raum.
Es roch angenehm, aber für die Silberfische war es wie eine Mauer. Keine einzige mehr in dieser Nacht. Auch in der Woche danach nicht. Dann fielen mir die Motten in der Küche ein.
Mehl, Gries, Nüsse – sie hatten schon zweimal meine Vorräte befallen. Ich hatte das Gefühl, dass mein Zuhause ständig belagert wurde. Also machte ich mich an die Arbeit. Ich rieb die Schalen einer Orange und einer Zitrone ab, mischte sie mit ein paar Nelken.
Das nahm ich in ein dünnes Tuch, knotete es zu einem Beutel und hängte es in den Küchenschrank. Der Duft von Zitrusfrüchten und Nelken ist für Motten unerträglich. Sie blieben fern. Für die Silberfische hatte ich noch eine weitere Waffe.
In einem kleinen Topf erhitzte ich Essig – sie hassen den Geruch wie das Feuer. Ich legte einen Rosmarinzweig hinein, gab einige Tropfen Lavendelöl dazu. Dann füllte ich die Mischung in eine Sprühflasche. Alle paar Tage besprühte ich die Ecken im Bad, die Ritzen, die Fußleisten.
Der Essiggeruch verflog nach einer Weile, aber die Barriere blieb. Kein einziges Silberfischchen mehr. Ein Freund erzählte mir von einer noch stärkeren Methode, falls die erste nicht ausreicht. Man nimmt eine leere Plastikflasche, schneidet sie in zwei Hälften, macht ein Loch in den Deckel.
Dann mischt man Wasser mit einem Esslöffel Alkohol oder Spiritus und ein paar Nelken. Das kommt in den unteren Flaschenteil, der Deckel mit Zahnstochern wird aufgesetzt. Die Mischung riecht scharf, die Silberfische fliehen. Ich habe es nie gebraucht, weil meine Honigfalle und die ätherischen Öle gereicht haben, aber ich habe es mir gemerkt.
Das Wichtigste war: Ich ließ keine feuchten Handtücher mehr auf dem Boden liegen. Ich lüftete nach dem Duschen, ließ die Tür einen Spalt offen. Sauberkeit allein reichte nicht – es musste trocken sein. Feuchtigkeit war ihre Lebensader.
Sobald ich die wegnahm, hatten sie keine Chance mehr. Seit Wochen ist das Bad frei. Die Küche auch. Ich habe gelernt: Man muss nicht zu teuren, giftigen Sprays greifen.
Honig, Zeitungen, ein paar ätherische Öle, Essig und Rosmarin – das reicht. Und wenn die Motten kommen, schützt ein selbst gemachter Duftbeutel aus Zitronenschale und Nelken die Vorräte. Heute Morgen ging ich ins Bad, machte Licht. Nichts.
Kein Silberfisch weit und breit. Ich atmete tief durch. Dieser eine Moment, in dem man merkt, dass es vorbei ist – das ist es wert.


