Als Sabine Berger an diesem Novemberabend nach Hause eilte, hätte sie nie gedacht, dass ein fremdes Kind ihr Leben retten würde. Sie war gerade zur Chefbuchhalterin befördert worden, und die Freude darüber ließ sie die kalten Regentropfen kaum spüren. Doch dann packte ein kleines Mädchen sie am Ärmel und flüsterte: „Geh jetzt nicht nach Hause. Dort erwartet dich Unheil.

“ Sabine wollte gehen, doch etwas in den Augen des Kindes hielt sie zurück. Sie trat hinter die Hausecke und wartete. Als sich die Tür öffnete, erstarrte sie. Ihr Mann Volker trat heraus, an seiner Seite eine blonde Frau, und hinter ihnen folgte niemand anderes als Ulrich Schäfer, ihr Vorgesetzter.
Die drei sprachen über Dokumente, Fehlbeträge und eine erfundene Unterschlagung. Schäfer erklärte, wie er Sabine am Montag fristlos entlassen würde, wie Volker ihre Stelle bekäme und wie sie ihr das Sorgerecht für ihre Tochter Nele nehmen wollten. Sabine stand hinter der Ecke, während ihr Mann und seine Geliebte Vanessa plauderten und kicherten, und drückte heimlich die Aufnahmetaste ihres Handys. Sie nahm jedes Wort auf.
Sie hörte, wie Volker sie als kalt und langweilig bezeichnete und wie Schäfer lachte: „Wenn ein Mensch gerade oben ist, tut der Absturz am meisten weh. “ Erst als die Gruppe sich trennte, ließ Sabine das Handy sinken. Ihr war schlecht, aber sie wusste, was sie tun musste. Sie ging nicht nach Hause.
Sie rief ihre Mutter an und brachte Nele am nächsten Morgen dorthin, ohne etwas zu verraten. Dann suchte sie ihre alte Schulfreundin auf, die Anwältin Renate Weber. Renate hörte sich die Aufnahme an, prüfte Sabines Unterlagen und schmiedete einen Plan. Sie reichten die Scheidung ein und gingen gemeinsam zur betrieblichen Revisionsabteilung.
Sie legten Beweise vor, und die Ermittlungen begannen. Innerhalb weniger Tage wurde Schäfer entlassen, auch Volker und Vanessa verloren ihre Stellen. Sabine behielt ihre Beförderung, sogar mit einer deutlichen Gehaltserhöhung. Vor Gericht wurde die Ehe geschieden, und Sabine erhielt das alleinige Sorgerecht.
Ihr Mann musste die Wohnung verlassen. Als Sabine Monate später das Wahrsagerkind wiedersah, bedankte sie sich und steckte ihr fünfzig Euro zu. „Du hast mich gerettet“, sagte sie. Das Kind lächelte nur und antwortete: „Ich habe gesehen, dass du ein guter Mensch bist.
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