
Siebenundsiebzig Worte, die deutsche Schlagerszene der 70er Jahre heute kaum wiederzuerkennen machen: 17 Ikonen jener Zeit – einst gefeiert, inzwischen vielfach abgetaucht – zeigen sich heute in völlig neuem Licht. Vom Glanz vergangener Tage bis zu privaten Rückzügen: Eine schnelle Bestandsaufnahme der Entwicklung der Schlagerstars, die Deutschland prägten.
Katja Ebstein, berühmt durch ihre mehrfachen Grand-Prix-Teilnahmen, war die Stimme einer Generation. Ihr feuerrotes Haar und dramatische Stimme prägten die 70er. Doch die Bühnen sind seltener geworden, heute lebt sie zurückgezogen in Oberbayern, tritt kaum noch auf. Hinter dem Glanz verbirgt sich ein Wunsch nach mehr als Schlager – Chansons, Theater, Politisches.
Dalia Lavi, einst gefeierte Schauspielerin und Stargast in Hollywood, wechselte zum deutschen Schlager und führte mit ihrem Hit „Oh, wann kommst du?“ die Charts an. Heute lebt sie privat in den USA. Ihr rauchiger Gesangsstil, so elegant wie selten im deutschen Schlager, ist Legende geblieben.
Bernt Klüver, der Junge mit der Mundharmonika, eroberte 1973 die Herzen der deutschen Jugend. Sanfte Balladen, ausverkaufte Hallen – doch nach dem Höhepunkt des Schlagerbooms verschwand er auf Mallorca und kehrte ins Rampenlicht nie zurück. Sein früher Tod machte ihn zur tragischen Gestalt der Szene.
Peter Maffay, 1970 als sanfter Schlager-Newcomer gestartet, entwickelte sich zum Rockmusiker mit eigener Handschrift. Er schuf Tabaluga und setzte sich karitativ ein. Bis heute füllt er Hallen und ist einer der meistverkauften Künstler Deutschlands. Sein Wandel symbolisiert die Vielfalt der 70er auf heutiger Bühne.
Jürgen Markus wurde mit „Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben“ zur Stimme der 70er. Elf weitere Hits folgten, doch das Showgeschäft ließ ihn später allein. Seine späten Jahre waren von Krankheit geprägt, das Rampenlicht verblasste, doch sein Beitrag bleibt unvergessen.
Chris Roberts sang vom Werden und Vergehen des Jugendalters und blieb als „nette Junge von nebenan“ in Erinnerung. Mit über elf Millionen verkauften Platten prägte er das Schlagerbild der 70er. Erst kurz vor seinem Tod erhielt er die deutsche Staatsbürgerschaft – Symbol einer langen Suche nach Anerkennung.
Nana Mouskouri überwand kulturelle Barrieren und sang in über 14 Sprachen. Ihr Welterfolg begann mit „Weiße Rosen aus Athen“. Sie verkaufte über 300 Millionen Tonträger und engagierte sich auch politisch als EU-Abgeordnete. Bis heute steht sie würdevoll auf der Bühne, eine lebende Legende.
Roger Whittaker, geboren in Kenia, wurde trotz fehlender Deutschkenntnisse zum geliebten Schlagerstar. Seine eingängigen Melodien und sein unverwechselbares Pfeifen faszinierten Millionen. 2013 zog er sich endgültig aus dem Showgeschäft zurück – ein stiller Abschied vom Rampenlicht.
Drafi Deutscher, Schöpfer von „Marmor, Stein und Eisen bricht“, lebte ein rastloses Künstlerleben voller Höhen und Tiefen. Unter zahlreichen Pseudonymen schrieb er Hits für viele. Seine letzten Jahre waren von Krankheit überschattet. Ein Genie, dessen Werk bis heute den deutschen Schlager prägt.
Batterich, ein Sprachlehrer aus Belgrad, gelang 1972 mit „Michaela“ ein unvergessener Sommerhit, der 30 Wochen die Charts dominiere. Bis heute steht er gelegentlich auf der Bühne. Sein Beitrag zeigt, wie vielfältig die Herkunft der Schlagerstars der 70er war.
Steven Malmqvist aus Schweden wurde die erfolgreichste Schlagersängerin ihrer Heimat. Mit „Liebeskummer lohnt sich nicht“ eroberte sie 1964 die deutsche Hitparade. Trotz über 80 Jahren sucht sie die Bühne noch immer, singt in zehn Sprachen und begeistert multikulturelle Publikumsschichten.
Abi Ofarim, Teil eines der meistgefeierten Gesangduos, erlebte nach der Trennung einen tiefen Absturz mit Drogen und Schulden. Sein Lebensweg zeugt von den Schattenseiten des Ruhms. Heute ordnet er sein Leben neu und ist Vater des Musikers Gil Ofarim, der selbst Erfolgsgeschichte schreibt.
Roland Kaiser, der „Kaiser des deutschen Schlagers“, überlebte eine lebensbedrohliche Lungenerkrankung und kehrte 2010 mit einer Spenderlunge aufs Parkett zurück. Mit über 70 Millionen verkauften Tonträgern schrieb er Geschichte und steht auch heute noch für ungebrochene Schlagermacht.
Wolfgang Petry, Tausende Konzerte und Millionen verkaufte Platten – Wolle wurde zum Partyhelden. Doch 2006 zog er sich plötzlich zurück, entfernte seinen Markenschnauzer und lebt seither zurückgezogen. Seine Verwandlung vom Volkshelden zum Privatmann spiegelt die Schattenseiten der Karriere wider.
Gunter Gabriel, ein amerikanischer Soldat in Deutschland, avancierte mit „Da sprach der alte Häuptling der Indianer“ zum Publikumsliebling. Sein gebrochendes Deutsch und der amerikanische Charme machten ihn unverwechselbar. Seine letzten Jahre verbrachte er zurückgezogen in Bayern, fern der Bühne.
Jürgen Drews, bekannt als „König von Mallorca“, schrieb mit „Ein Bett im Kornfeld“ Schlagergeschichte. Trotz einer schweren Nervenkrankheit lebt er abgeschieden bei München. Seine Lieder haben Generationen geprägt – ein bleibendes Erbe des deutschen Schlagers der 70er.
Rolf Zuckowski zählt zu den bedeutendsten Musikern Deutschlands, doch sein Gesicht bleibt vielen unbekannt. Seine Lieder sind moderne Volkslieder, vor allem für Kinder, mit Millionen von Tonträgern und einem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Ein Meister der leisen, nachhaltigen Musikgeschichte.
Diese 17 Künstler berichten von Triumphen und Tiefen, von Ruhm und Rückzug. Ihre heutigen Lebenswege zeigen, wie schnell sich das Bild der Schlagerwelten verändern kann – von der glitzernden Bühne zu privaten Rückzugsorten. Ein stilles Echo einer goldenen Ära, die kaum wiederzuerkennen ist.


