Die ersten Ameisen entdeckte ich an der Terrassentür – eine schwarze Linie, die direkt ins Haus führte. Ich wollte keine Giftsprays, keine Fallen für meine Kinder. Also schnitt ich einen…

Die ersten Ameisen entdeckte ich an der Terrassentür – eine schwarze Linie, die direkt ins Haus führte. Ich wollte keine Giftsprays, keine Fallen für meine Kinder. Also schnitt ich einen...

Die ersten Ameisen entdeckte ich an der Terrassentür. Eine schmale, schwarze Linie, die sich über den Steinboden zog, direkt ins Haus hinein. Ich wollte keine Chemie. Keine giftigen Sprays, keine Fallen, die meine Kinder oder den Hund gefährden.

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Aber ich wollte sie los. Noch heute. Ich schnappte mir einen leeren Fünf-Liter-Wasserkanister und schnitt mit dem Cutter vorsichtig den oberen Teil ab. Das Plastik war durchsichtig, fast wie eine Lupe.

Ich stülpte ihn über das Nest, direkt in die Mittagssonne. Die Sonne brannte, der Kanister heizte sich auf, und unter der Wölbung entstand ein Gewächshaus aus Hitze. Ich wartete eine Stunde. Als ich den Kanister anhob, krochen vereinzelte Ameisen über den Rand – erschöpft, aber nicht tot.

Es hatte nicht gereicht. Also griff ich zur Aluschale vom letzten Grillabend. Eine große, flache Schale, die ich umgedreht auf das Nest legte. Unter der blanken Alufolie staute sich die Hitze, sie wurde glühend heiß.

Die Ameisen begannen zu fliehen, aber nur in die umliegenden Ritzen. Das Nest war nicht zerstört, nur gestört. Ich ließ mich nicht entmutigen. Ein schwarzer Müllsack lag noch in der Küche.

Schwarz zieht die Sonne an, das wusste ich. Ich deckte das Nest vollständig ab, beschwerte die Ränder mit Steinen. Unter dem Sack entstand eine stickige, brodelnde Hitze. Nach einer Stunde zog ich den Sack weg.

Stille. Keine Bewegung mehr an der Oberfläche. Ich grub vorsichtig nach – das Nest war leer. Die Kolonie war geflohen oder verglüht.

Ein Erfolg. Doch zwei Tage später tauchten sie wieder auf. An der Hintertür, in der Küche, im Blumenbeet. Sie kamen von irgendwoher, vielleicht aus einem zweiten Nest.

Jetzt brauchte ich eine andere Waffe. Ich holte zwei weiße Tabletten aus dem Medizinschrank. Aspirin. Ich zerkleinerte sie zu feinem Pulver, löste es in einem halben Liter warmem Wasser auf.

Dazu ein Esslöffel Essig – der Geruch war durchdringend, fast stechend. Ich füllte die Mischung in eine Sprühflasche und besprühte jede Ritze, jede Fensterbank, jede Türschwelle, wo ich Ameisen gesehen hatte. Die ersten trafen auf die Flüssigkeit und zuckten zurück. Sie drehten um, suchten einen anderen Weg.

Die Stellen miedene sie ab sofort. Ich sprühte alle zwei Tage nach. Die Ameisen wurden weniger, aber ganz verschwanden sie nicht. Ich probierte es mit Gewürzen.

In einem Krug mit einem halben Liter Wasser rührte ich einen halben Teelöffel Zimt, einen halben Teelöffel Knoblauchpulver, einen halben Teelöffel Pfeffer. Der Geruch war scharf und würzig. Ich ließ die Mischung zehn Minuten ziehen, siebte sie ab und goss die Flüssigkeit über die Ameisenstraßen. Sie stockten, drehten sich im Kreis, verloren die Orientierung.

Einige starben, die meisten flohen. Aber nach ein paar Stunden kamen neue. Ich wurde hartnäckiger. Eine Zitrone lag im Obstkorb.

Ich nahm sie und steckte Dutzende Nelken in die Schale, bis sie stachlig aussah. Die Zitrone platzierte ich mitten auf das Ameisennest im Garten. Der Duft von Nelke und Zitrone zog auf. Nach wenigen Minuten sah ich, wie die Ameisen unruhig wurden, ihre Laufwege aufgaben, sich zurückzogen.

Die Zitrone wirkte wie eine unsichtbare Barriere. Ich ließ sie über Nacht liegen. Am nächsten Morgen war das Nest verlassen. Doch im Sandkasten meines Kindes krabbelten sie immer noch.

Kein Gift durfte da hinein. Ich rührte eine Schüssel mit Wasser an, gab Zimt hinein, presste den Saft einer Zitrone aus, fügte ein paar Teelöffel Kaffeesatz und einen Spritzer mildes Spülmittel hinzu. Die Brühe roch nach Frühstück und Putzmittel zugleich. Ich sprühte die Sandkiste großzügig ein.

Die Ameisen flohen sofort. Und tatsächlich – auch die Katzen aus der Nachbarschaft kamen nicht mehr. Der Sandkasten blieb sauber. Ich war noch nicht fertig.

Für die letzten hartnäckigen Ecken im Haus bastelte ich kleine Päckchen aus Alufolie. Ich mischte zwei Esslöffel Instantkaffee, einen Esslöffel scharfen Paprika und zerbröselte Lorbeerblätter. Einen Löffel der Mischung legte ich auf ein Stück Folie, faltete es zu einem Päckchen, stach mit einem Zahnstocher Löcher hinein. Die Duftpäckchen verteilte ich in der Speisekammer, unter dem Spülbecken, hinter dem Kühlschrank.

Der Geruch von Kaffee, Paprika und Lorbeer zog durch die Räume. Die Ameisen mieden diese Stellen. Nach drei Tagen war keine einzige mehr zu sehen. Ich stand in der Küche und atmete tief durch.

Keine Chemie, kein Stress, nur Dinge, die ich ohnehin zu Hause hatte. Die Ameisen waren weg. Und sie kamen nicht zurück.