Die ersten Stiche kamen, sobald ich auf der Terrasse saß. Es war noch nicht einmal richtig dunkel, aber die Mücken waren schon da. Ich klatschte nach ihnen, fluchte, zog mich in die Wohnung zurück. Der Sommerabend war ruiniert.

Am nächsten Tag rief ich meine Freundin an. Sie lachte nur. „Du musst das nicht mit Chemie bekämpfen“, sagte sie. „Kaffee.
Einfach Kaffee. “
Ich dachte, sie macht Witze. Aber sie erklärte es mir: Zwei gehäufte Esslöffel Kaffee in ein Glas, warmes Wasser drauf, ziehen lassen. Dann durch ein Sieb gießen, das mit Gaze ausgelegt ist, damit der Satz draußen bleibt.
Ein paar Tropfen ätherisches Öl dazu – Zitrone, Lavendel oder Eukalyptus. Dann mit etwa 500 ml Wasser auffüllen und in eine Sprühflasche geben. Ich probierte es noch am selben Abend. Besprühte die Terrasse, die Türen, den Garten.
Und dann, vorsichtig, meine Unterarme. Der Geruch war angenehm, nicht aufdringlich. Und die Mücken blieben weg. Wirklich.
Ich konnte draußen sitzen, ohne mich ständig zu kratzen. Aber meine Freundin hatte noch mehr Tricks. Ein paar Tage später zeigte sie mir eine andere Methode. Sie nahm eine kleine Schüssel, wickelte sie komplett in Alufolie ein – auch von innen.
Dann füllte sie gemahlenen Kaffee hinein, fast bis zur Hälfte. Rosmarinzweige schnitt sie klein und mischte sie darunter, bedeckte sie wieder mit etwas Kaffee. Dann zündete sie den Rosmarin an. Der Rauch stieg auf, dünn und fein.
Der Kaffee glimmte nur leicht. Es roch nach Sommer, nach Kräutern, nach Kaffee. „Stell die Schüssel irgendwo hin“, sagte sie, „und keine Mücke kommt in die Nähe. “ Ich stellte sie auf den Gartentisch.
Der Abend war still. Kein Summen, kein Stechen. Eine Woche später traf ich meine Nachbarin. Sie erzählte mir von einem Rezept ihrer Urgroßmutter.
„Die wirkt besser als jedes Zeug aus dem Laden“, sagte sie. Ich hörte zu. Sie nahm ein Glas und gab eine große Handvoll Minze hinein. Dann Gewürznelken, eine Handvoll.
Rosmarin, ebenfalls eine Handvoll. Getrockneten Lavendel. Alles mit Alkohol übergossen, bis die Kräuter bedeckt waren. Das Glas verschlossen und für zehn Tage in den dunklen Schrank gestellt.
Alle paar Tage schüttelte sie es. Ich wartete. Als die zehn Tage um waren, filterte sie die Mischung durch ein Sieb mit Mulltuch, gab einen Kapp Wasser dazu, verrührte alles und füllte es in eine Sprühflasche. „Das hält Mücken fern, weil es den Körpergeruch überdeckt“, erklärte sie.
Ich sprühte es auf meine Arme und Beine. Es roch intensiv, aber nicht unangenehm. Und die Mücken mieden mich. Dann kam der heiße August.
Die Mücken waren schlimmer als je zuvor. Ich erinnerte mich an eine Geschichte, die mir meine Oma vor Jahren erzählt hatte. Eine einfache Falle. Ich holte einen Eimer, füllte ihn mit einem Liter warmem Wasser, rührte zwei Esslöffel braunen Zucker ein.
Dann einen Esslöffel Trockenhefe und einen Teelöffel Spülmittel. Alles gut verrührt. Ich stellte den Eimer in einen größeren Karton, ließ den Deckel einen Spalt offen. Die Hefe begann zu gären, Kohlendioxid stieg auf.
Die Mücken folgten dem Geruch, flogen hinein – und das Spülmittel ließ sie ertrinken. Morgens war der Eimer voller toter Mücken. Die Terrasse war frei. Aber mein Lieblingstrick war der mit der Mückenspirale.
Niemand zündet sie mehr an. Ich hielt sie einfach unter lauwarmes Wasser, bis sie weich wurde, brach sie in kleine Stücke und legte sie in eine Schüssel. Dann goss ich etwa 100 ml Spiritus dazu und presste eine halbe Zitrone aus. Kein Feuer, kein Rauch.
Ich stellte die Schüssel auf den Tisch. Der Geruch vertrieb die Mücken, und die Spirale hielt viel länger als eine brennende. Ich saß da, im Garten, die Füße hochgelegt. Kein Summen.
Kein Kratzen. Nur der Duft von Minze, Lavendel, Kaffee und Zitrone in der Luft. Meine Oma hätte gelacht. „Man muss nur wissen, wie“, hätte sie gesagt.
Ich wusste es jetzt.


