Die erste Ameise sah ich am Frühstücksteller – und dachte noch, es sei ein Zufall. Am nächsten Morgen war die ganze Küche eine schwarze, kribbelnde Straße. Sie krochen über die Arbeitsplatte, in…

Die erste Ameise sah ich am Frühstücksteller – und dachte noch, es sei ein Zufall. Am nächsten Morgen war die ganze Küche eine schwarze, kribbelnde Straße. Sie krochen über die Arbeitsplatte, in...

Die erste Ameise sah ich am Frühstücksteller. Am nächsten Tag war die ganze Küche eine schwarze Straße. Sie krochen über die Arbeitsplatte, in die Zuckerdose, sogar in die Kaffeetasse. Ich wollte keine Chemie.

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Meine Oma schwor auf Hausmittel, und mir blieb nichts anderes übrig, als es zu versuchen. Ich holte einen Krug, füllte einen halben Liter Wasser hinein. Dann gab ich einen halben Teelöffel Zimt dazu. Der Geruch stieg mir in die Nase – warm, süß, aber scharf.

Ich rührte um, fügte Knoblauch hinzu, dann Pfeffer. Die Mischung roch wie ein exotisches Gericht, das schiefgelaufen war. Nach ein paar Minuten siebte ich sie ab. Ich goss die Flüssigkeit auf die Stellen, wo die Ameisen liefen.

Sie zögerten. Die erste berührte die nasse Stelle und zuckte zurück. Sie drehte sich um, lief ein paar Schritte, dann blieb sie stehen. Verwirrt.

Aber sie gingen nicht weg. Nur eine kleine Lücke in ihrer Spur. Ich brauchte etwas Stärkeres. Ich nahm einen kleinen Deckel, gab Honig hinein.

Der süße Duft sollte sie anlocken. Dann streute ich Natron darüber und verrührte alles. Die Mischung war klebrig, fast wie eine zähe Paste. Ich stellte den Deckel direkt in die Ameisenstraße.

Eine halbe Stunde später waren mindestens zwanzig Ameisen darin gefangen. Sie fraßen, und dann hörten sie auf, sich zu bewegen. Aber es waren noch Hunderte unterwegs. Ich musste schneller handeln.

Dann erinnerte ich mich an einen Trick, den mir ein Nachbar gezeigt hatte. Eine Zitrone. Ich holte eine Zitrone aus dem Kühlschrank und eine Schachtel Streichhölzer. Ich steckte die Streichhölzer mit dem Holzende nach innen in die Zitrone.

Fünf, zehn, fünfzehn Stück. Die Zitrone sah aus wie ein stacheliger Igel. Ich legte sie auf den Ameisenhaufen im Garten. Es dauerte keine fünf Minuten.

Die ersten Ameisen krabbelten über die Schale, dann blieben sie stehen. Sie drehten sich um, liefen im Kreis. Die Zitrone absorbierte den Saft, der Schwefel aus den Streichhölzern löste sich. Die Kombination war giftig für sie, der Geruch unerträglich.

Nach einer Stunde war der Haufen leer. Ich konnte es kaum glauben. Aber im Haus kamen sie immer noch durch die Ritzen. Ich suchte nach einer Methode, die länger hielt.

Im Internet stieß ich auf eine Kugel aus Alufolie. Ich riss ein Stück ab, gab einen Löffel gemahlenen Kaffee hinein, dann schwarzen Pfeffer und ein zerriebenes Lorbeerblatt. Ich formte die Folie zu einer Kugel, drückte sie fest zu. Mit einem Zahnstocher stach ich kleine Löcher hinein.

Die Gerüche traten langsam aus. Ich legte die Kugel auf die Fensterbank am Balkon. Die Ameisen kamen nicht mehr durch das Fenster. Ich legte eine zweite Kugel in den Kleiderschrank.

Die Motten blieben weg. Doch die Hauptstraße durch die Küche war immer noch da. Eine Freundin erzählte mir von Kreide. „Zieh eine dicke Linie vor die Tür“, sagte sie.

„Mehr nicht? “

„Probier es aus. “

Ich nahm ein Stück weiße Kreide und zog einen dicken Strich auf dem Boden, direkt vor der Türschwelle. Ich machte die Linie so dick, dass sie wie ein kleiner Wall aussah.

Dann wartete ich. Die erste Ameise kam an die Linie, berührte sie mit den Fühlern, zuckte zurück. Sie versuchte es noch einmal, drehte um, lief an der Linie entlang. Sie fand keine Lücke.

Sie gab auf. Eine Stunde später war die Küche frei. Keine einzige Ameise mehr. Ich zog Kreidelinien vor allen Fenstern, vor der Terrassentür, sogar vor dem Kellerabgang.

Ich erneuerte sie alle paar Tage, besonders an den Stellen, die viel benutzt wurden. Die Ameisen kamen nicht mehr hinein. Doch draußen auf der Terrasse, unter dem Gartentisch, sammelten sie sich jeden Nachmittag. Sie krabbelten auf die Tischplatte, über die Teller, durch die Brotkörbe.

Kein Picknick war sicher. Meine Tante zeigte mir einen einfachen Trick. „Stell kleine Schälchen unter die Tischbeine“, sagte sie. „Mit Wasser.

Ich nahm vier Einmachglasdeckel, füllte sie mit Wasser und stellte sie genau unter die Beine. Die Tischplatte war jetzt von Wasser umgeben. Die Ameisen kamen bis an den Rand, sahen das Wasser, und drehten um. Sie mochten keine Nässe.

Sie versuchten es immer wieder, aber sie fanden keinen Weg. Ich legte sogar Zucker auf den Tisch. Keine Ameise kam hoch. Mein Garten war befreit.

Ich hatte keine einzige chemische Substanz benutzt. Zimt, Knoblauch, Pfeffer, Honig, Natron, Zitrone, Streichhölzer, Kaffee, Lorbeer, Kreide, Wasser – alles war da gewesen, in der Küche, im Schrank, im Garten. Die Ameisen waren weg. Ich stand am Fenster und sah auf den leeren Haufen.

Die letzte Ameise krabbelte an der Kreidelinie entlang, drehte ab und verschwand im Gebüsch. Ich nahm die Zitrone mit den Streichhölzern und warf sie in den Biomüll. Die Küche war still. Kein Krabbeln mehr, keine schwarzen Punkte auf der Arbeitsplatte.

Ich machte mir einen Kaffee, setzte mich an den Tisch. Keine Ameise störte mich. Ich musste nicht mehr nach ihnen suchen. Es war einfach.

Und es hatte funktioniert.