Ein Transfer-Donnerstag der Extreme erschüttert den europäischen Fußball: Während sich beim BVB ein interner Zwist über die Kaderzusammenstellung anbahnt, räumt Bayern-Sportvorstand Max Eberl mit radikaler Härte auf – und die FIFA legt mit einem 20-Milliarden-Dollar-Plan den größten Privatisierungscoup der Verbandsgeschichte vor. Drei Baustellen, die den Spielbetrieb nachhaltig verändern könnten.
Beim BVB zeichnet sich ein grundlegender Richtungsstreit ab.
Trainer Niko Kovac drängt laut dem Journalisten Patrick Berger im Podcast “Süd” auf die Verpflichtung weiterer erfahrener Spieler. Der Kroate zeigt sich demnach begeistert von den Talenten Constantinos Carzas und Said El Mala, doch er mahnt: Mit einer Horde 18- und 19-Jähriger allein wird man in der Bundesliga nicht bestehen können.
Der Blick auf die bisherigen Transfers der Dortmunder gibt Kovac recht: Kein einziger Neuzugang ist älter als 20 Jahre.
Joan Gadu ist 19, Justin Lerma 18, Carzas wird ebenfalls 18, und El Mala wäre bei einem Wechsel erst 19. Dazu kommen Eigengewächse wie Samuele Inaio und Matis Albert, die sich in der neuen Saison beweisen sollen. Der Altersschnitt des Kaders von aktuell 25,0 Jahren würde durch diese Personalien weiter sinken.
Dabei stand der BVB in der Vergangenheit für einen anderen Weg: Über Jahre setzte man auf gestandene Profis mit Bundesliga-Erfahrung, wurde 2023 und 2024 Vizemeister und spielte um Titel mit. Doch eine nachhaltige sportliche Entwicklung blieb aus. Genau diese Strategie wird nun verworfen.
Sportchef Lars Ricken hatte den Kurswechsel hin zu jungen Spielern mit hohem Weiterverkaufspotenzial angekündigt – und setzt ihn nun konsequent um.
Die entscheidende Frage lautet: Hat dieser Kader genug Routine, um die jungen Talente zu führen? Bei genauer Betrachtung durchaus.
Gregor Kobel ist als Führungsspieler im Tor gesetzt. In der Abwehr bilden Nico Schlotterbeck und Waldemar Anton ein verlässliches Sicherheitsnetz, ergänzt um Ramy Bensebaini und den langzeitverletzten Emre Can, der zumindest in der Kabine eine wichtige Rolle spielt.
Im Mittelfeld soll Felix Nmecha den nächsten Schritt als Führungsspieler gehen, Julian Ryerson ist Teil der Achse.
Vor allem Serhou Guirassy zeigt sich als Stürmer, der keine Anleitung braucht. Marcel Sabitzer wäre eine weitere Option, auch wenn seine Rolle unklar scheint. Der Abgang von Julian Brandt schmerzt sportlich, doch die Führungsachse bleibt weitgehend intakt – zumal der ein oder andere junge Profi nun in eine größere Verantwortung hineinwachsen muss.
Am Ende geht es um die richtige Mischung aus Erfahrung und jugendlichem Übermut. Kovac will offenbar einen zusätzlichen gestandenen Mann für die Offensive, wo man am ehesten auf unbekümmerte Talente setzen kann. Doch bei begrenzten finanziellen Mitteln wird es schwierig, einen erfahrenen Spieler zu verpflichten.
Alternativen wie Jaden Sancho könnten ein Thema werden – ob der BVB tatsächlich noch einmal zuschlägt, bleibt abzuwarten.
Die taktische Grundordnung spielt dabei eine entscheidende Rolle. Spielt der BVB weiterhin mit einer Dreier- beziehungsweise Fünferkette, wie zuletzt praktiziert, bleibt automatisch weniger Platz für zusätzliche Offensivkräfte.
Julian Ryerson und der als Schienenspieler eingeplante Svensson sind eher defensiv orientierte Außen – ein System, das an die erfolgreiche Ära von Xabi Alonso in Leverkusen erinnern soll, aber auch Grenzen aufzeigt.
Völlig andere Töne schlägt der FC Bayern an. Sportvorstand Max Eberl hat einem Trio die Zukunft an der Säbener Straße abgesprochen – und zwar in einer Deutlichkeit, die Seltenheitswert hat.
“Wir haben ganz offen kommuniziert, dass wir mit Sacha Boey, Bryan Zaragoza und João Palhinha drei Spieler haben, bei denen wir sehr offen sind, sie abzugeben”, sagte Eberl gegenüber den Medien.
Die Ansage hat es in sich. “Wir glauben, dass sie keine Zukunft beim FC Bayern haben.
Wenn sich einer von ihnen entscheidet, hier zu bleiben, dann wird es relativ hart und kompliziert”, so Eberl weiter. Der Kader stehe, die drei spielten keine Rolle. Ein klares Ultimatum, das kaum Interpretationsspielraum lässt und den Spielern die sportliche Isolation androht.
Die wirtschaftliche Bilanz dieser Transfers ist düster. Sacha Boey kam 2024 für 30 Millionen Euro von Galatasaray, sein Marktwert ist auf zehn Millionen Euro abgestürzt. Auch nach einer Rückleihe in die Türkei konnte der Rechtsverteidiger nicht überzeugen.
Bryan Zaragoza kostete inklusive Leihgebühren rund 17 Millionen Euro – auch er dürfte nur noch einen Bruchteil dieser Summe einbringen.
Am schmerzhaftesten ist der Fall João Palhinha. Thomas Tuchel hatte den Mittelfeldspieler einst als Wunschspieler gefordert, 51 Millionen Euro überwiesen die Münchner nach Fulham.
Unter Vincent Kompany wurde der Portugiese nie glücklich, sein Marktwert fiel auf 15 Millionen Euro. Tottenham hat die Kaufoption nach der Leihe nicht gezogen. Drei Verlustgeschäfte, die den Bayern-Etat belasten – auch wenn Eberls klare Kante ein richtiges Zeichen ist.
Die Zukunft dieser drei Spieler ist völlig offen. Boey gilt als schwer vermittelbar, weil kaum ein Klub bereit ist, sein Gehaltsniveau zu stemmen. Zaragoza hat bei seinen Leihen nicht überzeugt.
Und Palhinha ist mit 31 Jahren für einen teuren Transfer zu alt. Eberls Drohung ist also auch ein Eingeständnis: Diese Kaderfehler der Vergangenheit kosten den FC Bayern Millionen – und zwar doppelt.
Und dann ist da noch die FIFA, die sich mit einem beispiellosen Vorhaben selbst ins Abseits stellt.
Unter Präsident Gianni Infantino plant der Weltverband die Gründung der “FIFA Forward Enterprise” (FFE), einer Tochtergesellschaft zur Vermarktung der Weltmeisterschaften und der Klub-WM. Privatinvestoren sollen eine Minderheitsbeteiligung von rund 20 Prozent erwerben – der Gesamtwert der FFE wird auf bis zu 20 Milliarden Dollar taxiert.
Bis zu 4,2 Milliarden Dollar wollen die Verantwortlichen auf diese Weise einsammeln.
Angeblich behält die FIFA die Kontrolle über Governance, Wettbewerbe und den internationalen Spielkalender. Die 211 Mitgliedsverbände sollen kleinere Anteile erhalten, das Geld in ein Förderprogramm namens “Fast Forward” fließen – inklusive Sofortzahlungen von 20 Millionen Dollar pro Verband. Doch genau diese Lockmittel verfehlen ihre Wirkung nicht: Sie spalten die Gemeinschaft.
Der Widerstand ist heftig und kommt aus den höchsten Kreisen. DFB-Vizepräsident Hans-Joachim Watzke sagt unmissverständlich: “Hier wird eine Grenze überschritten. Viele im europäischen Fußball sehen die Pläne als absoluten Angriff.”
Auch die UEFA hat sich positioniert: “Seele und Führung des Fußballs sind keine Vermögenswerte, mit denen gehandelt werden darf.” Und weiter: “Keiner von uns besitzt den Fußball. Es ist nicht an der FIFA, ihn zu verkaufen.”
Die Kritik kommt nicht von ungefähr. Wer bei solchen Summen einsteigt, will mitreden – und das bedeutet in der Regel mehr Spiele, mehr Kommerz und noch mehr Druck auf ohnehin überlastete Spieler. Die Sorge vor einer Teilprivatisierung des Fußballs ist real.
Investoren denken nicht in sportlichen Kategorien, sondern in Renditen. Dass ausgerechnet die Familie Kushner aus dem Umfeld von Donald Trump beteiligt sein soll, macht die Sache nicht besser.
Die vielleicht brisanteste Enthüllung: Infantino könnte nach dem Ende seiner Amtszeit, die im schlimmsten Fall bis 2031 dauert, als Kommissar und Geschäftsführer der FFE persönlich profitieren.
In Europa mehren sich deshalb die Stimmen, die einen Boykott ins Spiel bringen. Die kleineren Verbände werden wegen der Sofortzahlungen wohl mitziehen – doch ohne Europa verliert die FIFA ihre Glaubwürdigkeit endgültig.
Die Kritik ist auch deshalb so laut, weil die FIFA in der Vergangenheit immer wieder mit fragwürdigen Entscheidungen aufgefallen ist – von überdehnten Regeln bei der vergangenen Weltmeisterschaft bis zur Rücknahme einer roten Karte nach Intervention aus der Verbandsspitze.
Das Vertrauen in Infantinos Führung ist längst zerrüttet. Viele Beobachter bezeichnen die Pläne als bodenlos, als einen Angriff auf die Identität des Spiels.
Fest steht: Die Pläne sind noch nicht final und hängen von der Zustimmung der Mitgliedsverbände ab.
Es wäre der heftigste und umstrittenste Versuch, den Infantino bisher unternommen hat, um das kommerzielle Potenzial der Weltmeisterschaften auszureizen. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob der Widerstand Wirkung zeigt – und ob sich der Fußball gegen die drohende Privatisierung zur Wehr setzt oder sich von glänzenden Milliarden blenden lässt.



