Der Fall Stefanie Drevs bleibt bis heute ein emotionales und tragisches Kapitel in der deutschen Kriminalgeschichte. Im Jahr 1991 verschwand die damals zehnjährige Stefanie aus Weimar, nur um zwei Tage später tot an der Teufelstalbrücke bei Jena aufgefunden zu werden. Der Fall hat nicht nur die Ermittler, sondern auch die gesamte Region erschüttert.
Die Ermittlungen in diesem Cold Case zogen sich über Jahrzehnte hin, bis 2018 ein Spezialeinsatzkommando der Berliner Polizei einen entscheidenden Durchbruch erzielte. Hans Joachim G., ein Mann mit einer dunklen Vergangenheit, wurde als Hauptverdächtiger identifiziert. Er war bereits wegen Kindesmissbrauchs vorbestraft und die Beweise gegen ihn waren erdrückend, auch wenn sie anfangs nicht ausreichten, um eine Anklage zu erheben.
Kriminalhauptkommissar Dirk Stibitz, der bereits 1991 an den Ermittlungen beteiligt war, beschreibt die emotionale Belastung, die dieser Fall mit sich brachte. „Jedes Mal, wenn ich über die Teufelstalbrücke fahre, denke ich an Stefanie“, sagt er. Die Ermittler mussten sich der Herausforderung stellen, den Verdächtigen zu einem Geständnis zu bewegen, was sich als äußerst kompliziert herausstellte.
Die Soko Altfälle, die sich mit ungelösten Mordfällen aus den 1990er Jahren beschäftigt, nahm den Fall Stefanie erneut auf. Unter der Leitung von Polizeidirektor Lutz Schnelle wurde ein Team von etwa 40 Ermittlern zusammengestellt, das die Akten durchforstete und die alten Spuren neu bewertete. „Wir waren überzeugt, dass der Täter in den Akten zu finden ist“, erklärt Schnelle.
Die entscheidende Wende kam, als Verhandlungs- und Verhaltensexpertin Sabrina Ritzo in den Fall involviert wurde. Sie entwickelte eine Vernehmungsstrategie, die darauf abzielte, Hans Joachim G. emotional zu erreichen. Am 4. März 2018 wurde der Verdächtige schließlich festgenommen. In seiner Wohnung konfrontierten ihn die Ermittler mit den Vorwürfen, und nach anfänglichem Leugnen begann er, Details preiszugeben.

Berichten zufolge gestand Hans Joachim G. schließlich, Stefanie Beruhigungsmittel verabreicht und sie dann von der Brücke gestoßen zu haben. Dies war der Moment, auf den die Ermittler so lange gewartet hatten. Der Fall, der über 27 Jahre ungelöst blieb, fand endlich einen dramatischen Wendepunkt.
Im Jahr 2018 wurde Hans Joachim G. wegen Mordes zu 12 Jahren Haft verurteilt. Die Mutter von Stefanie, die all die Jahre auf Gerechtigkeit gehofft hatte, erhielt endlich die Gewissheit, dass der Mörder ihrer Tochter gefasst wurde. „Es ist eine Erleichterung, aber der Schmerz bleibt“, sagte sie.
Stefanie Drevs wäre heute 43 Jahre alt gewesen. Der Fall zeigt, dass es nie zu spät ist, um Gerechtigkeit zu erlangen. Doch die Frage bleibt: Wie viele weitere ungelöste Fälle warten noch darauf, ans Licht gebracht zu werden?


