Ich hielt ein schwarzes Kleid hoch und erzählte meinem Live-Publikum von meinem neuen Job und der Italienreise, als ein Paket auftauchte, das ich nie bestellt hatte. „Wer zur Hölle schickt mir…

Ich hielt ein schwarzes Kleid hoch und erzählte meinem Live-Publikum von meinem neuen Job und der Italienreise, als ein Paket auftauchte, das ich nie bestellt hatte. „Wer zur Hölle schickt mir...

„Wie war dein Interview? “, frage ich in die Kamera, während ich einen Haufen Klamotten von meinem Bett in Richtung Waschmaschine schiebe. Die Stimmen der Zuschauer rauschen durch den Chat, aber ich kann Nick trotzdem heraushören. „Alles gut“, sage ich und wedele eine Strähne aus dem Gesicht.

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„Ich hab den Job übrigens bekommen. Ja, wir sind sehr glücklich. “ Ein Grinsen breitet sich auf meinem Gesicht aus, während ich ein schwarzes Kleid von der Stange ziehe. „Das hier ist für Italien.

Ich halte das Kleid hoch, lasse den Stoff zwischen meinen Fingern durchgleiten. In weniger als zwei Wochen geht es los. Weniger als zwei Wochen, und ich werde auf einem Boot sitzen, eine Angel in der Hand, irgendwo vor der italienischen Küste. Die Vorfreude kribbelt in meinem Bauch.

„Ich habe einen Plan“, sage ich in die Kamera. „Ich miete ein Boot, nehme eine Angel mit, und dann schauen wir mal, wie weit ich komme. “ Ich lache leise. Italiener können nichts dagegen tun – es ist mein Lieblingsessen.

Aber das ist eine andere Geschichte. Im Hintergrund steht das Aquarium. Das Wasser ist trüb, die Steine am Boden sehen alles andere als frisch aus. „Ich muss das sauber machen“, murmele ich und greife nach einem Eimer.

Der Geruch von abgestandenem Wasser mischt sich mit dem Duft einer Kerze, die irgendwo auf dem Tisch steht. Ich schütte das alte Wasser ab, spüle den Behälter, während ein Zuschauer fragt: „Hast du einen Fisch verloren? “ – „Was? Nein, wovon redest du?

“ – „Sie“, korrigiere ich mich und deute auf das Aquarium. „Sie hat jetzt sauberes Wasser. Jetzt müssen wir nur noch die Steine wechseln. “

Ich knie mich hin, krame nach neuen Kieseln und ertappe mich dabei, wie ich in den Chat starre.

„Wisst ihr was? Ich frage mich immer, wie viele Leute, die ich kenne, mich gerade beobachten. 64 Leute sind hier. Aber ich weiß nicht, wer ihr seid.

“ Die Zahlen blinken mir entgegen, aber sie sagen mir nichts. „Ich wünschte, ich wüsste es. “

Dann fällt mein Blick auf ein Paket, das ich nicht bestellt habe. „Mama Mia.

Leute, wer hat mir das geschickt? “, frage ich und halte es hoch. „Ich schwöre, ich habe das nicht bestellt. Ich habe keine Ahnung, wer mir das gegeben hat.

“ Ich schüttle den Kopf. „Wer zur Hölle schickt mir das? “ Der Chat scrollt schnell, aber ich erkenne keinen Namen. Ich lege das Paket zur Seite und ziehe ein anderes Teil aus dem Haufen heraus – ein weiches, hautfarbenes Kleid, das sich anfühlt wie ein zweiter Skin.

„Okay, das hier will ich anprobieren. Das ist wie Skims, wisst ihr? “, sage ich und balanciere schon mein Telefon in der Hand, um es zu filmen. „Hoffentlich fällt das nicht runter, das wäre echt doof.

Ich schlüpfe hinter einen Sichtschutz aus Wäscheständern und improvisierten Vorhängen, die ich neben dem Bett aufgebaut habe. „Ich bin gerade dabei, mich umzuziehen. Seht ihr mich im Spiegel? “ Der Chat antwortet: „Wir können deine Reflexion sehen.

“ – „Seid ihr sicher? “ – „Ja. “ – „Na gut, dann wisst ihr Bescheid. “ Ich lache, während ich umständlich in das Kleid steige.

„Ich dachte, ich hätte hier etwas Privatsphäre. “ Doch dann drehe ich mich um, und da bin ich im Spiegel. „Wow. Okay, das ist…

das ist wirklich hübsch. “ Ich bleibe stehen, sehe mich von vorne an. Der Stoff schmeichelt, betont, was betont werden soll. „Leute, das ist das schwarze Kleid.

Mamma mia. “ Ich drehe mich, tauche vor der Kamera auf. „Gefällt es euch? “ Die Antworten sprudeln sofort: „Sieht aus wie Barbie.

“ – „Du siehst wunderschön aus. “ – „Sehr schick. “ Ein Grinsen zieht über mein Gesicht. Ich schiebe die Ärmel hoch, während ein weiterer Kommentar in den Chat springt: „Ist Rot deine Lieblingsfarbe?

“ Ich schüttle den Kopf. „Ich mag alle Farben des Sonnenuntergangs. Pink, Lila, Orange – aber am liebsten die Farben, die der Himmel hat, wenn die Sonne runtergeht. Ist das komisch?

“ Ich zucke mit den Schultern und greife zu einer Packung mit getrockneten Blumen, die auf dem Tisch liegt. „Diese hier waren mal schön. Jetzt sind sie einfach nur noch… Zeug.

Ich entferne die vertrockneten Blüten, wickle sie in Papier und werfe sie beiseite. Dann hole ich die schwarzen Slips hervor, die ich tragen will – und als ich mich bücke, um meine Schuhe zu holen, sehe ich aus dem Augenwinkel etwas auf dem Boden. Ich zucke zusammen. „Was zur Hölle ist das?

“ Mein Puls rast. Ich starre an mir hinunter und sehe – eine Schnürsenkel. „Oh mein Gott. Ich dachte, ich hätte eine Spinne gesehen.

Das ist nur der Schnürsenkel von meinen Schuhen. “ Ich lache erleichtert auf. „Ich dachte wirklich, ich müsste jetzt einen Wolfsspinnen-Moment haben. Das hatte ich neulich schon mal hier drin.

Das will ich nicht nochmal. “

Ich stehe auf, schlüpfe in meine Hausschuhe und wechsle dann das Thema. „Also, Italien“, sage ich, während ich das schwarze Kleid ablege und mich in etwas Bequemeres zwänge. „Ich fahre nicht allein.

Ich nehme meine Videografin mit. Ich kann nicht alleine in ein fremdes Land. Das schaffe ich nicht. “ Ich sehe in die Kamera, ernsthaft.

„Italien ist berühmt für Taschendiebe. Und ich spreche kein Italienisch. Das ist ein Rezept für eine Katastrophe. Glaubt mir, ich in einem fremden Land…

“ Ich lasse den Satz in der Luft hängen. Aus dem Chat kommt eine Frage: „Packst du schon Sachen für die Reise? “ – „Ich habe schon einiges besorgt“, antworte ich und deute auf die Kleidung, die über einem Stuhl hängt. „Das hier ist die neue Skims-Kopie, dann die Badeanzüge, die ich bestellt habe, und Shampoo, weil ich in Hotels nie mit fremdem Shampoo waschen will.

Ich greife nach dem Paket „Mama Mia“ und halte es nochmal hoch. „Das hier hat mir jemand geschickt, und ich weiß wirklich nicht, wer. “ Ich zögere. „Falls du das siehst: Danke.

Aber ich weiß wirklich nicht, wer du bist. “ Ich lege es zur Seite und wende mich wieder dem Raum zu. „Okay, ich wollte euch noch was zeigen. “ Ich gehe zu meinem Kleiderschrank, wühle kurz und ziehe dann ein anderes Oberteil heraus – ein top, das mehr verspricht, als es hält.

„Ich glaube, das trage ich morgen zum Volleyball. “ Jemand schreibt: „Das lässt ja nicht viel der Fantasie übrig. “ Ich lache: „Ich weiß, oder? Perfekt für Italien.

Ich halte es hoch, drehe mich einmal um mich selbst, genieße den Moment. „Das packe ich auf jeden Fall ein. “ Dann sehe ich wieder in den Chat, wo ein Zuschauer namens Jay schreibt: „Ich habe dir etwas geschickt, bevor du gehst. “ – „Was ist es?

“ – „Warte es ab“ – „Oh, jetzt bin ich neugierig“, sage ich und schmause. „Ich mag Überraschungen. Solange es keine Spinne ist. “

Ich schlüpfe in einen weiten Cardigan, setze mich auf die Bettkante, und einen Moment lang ist es still.

Der Abend ist vorbei, die Kleidung liegt sortiert auf dem Bett, die Kamera läuft noch. Ich sehe auf die Uhr und dann zu den vielen kleinen Dingen, die mein Zimmer zu dem machen, was es ist: das Glas mit Pinseln, die Bücher, die ich nie gelesen habe, der Staub, der sich auf den Regalbrettern sammelt, und der Geruch von Weichspüler in der Luft. Dann stehe ich auf, nehme das schwarze Kleid in die Hand und lege es sorgfältig über einen Bügel. „Ich muss noch Fotos machen“, sage ich leise, mehr zu mir selbst als zur Kamera.

„Für Patreon. Und um der Person zu zeigen, die mir das Kleid geschickt hat. “ Ich zögere. „Ich weiß zwar nicht, wer es ist, aber ich hoffe, es gefällt ihnen.

Ich drehe mich zur Kamera, lächelt einmal müde. „Danke, dass ihr da seid. Danke, dass ihr mir sagt, wann meine Reflexion zu sehen ist. “ Ich lache leise.

„Und danke für die Glückwünsche zum neuen Job. Und für die Antwort, dass die Kleider schön aussehen. Auch wenn wahrscheinlich jeder jetzt weiß, wie ich im Spiegel aussehe, bevor ich es selbst wusste. “ Ich grinse.

Die Kamera blinkt, der Chat scrollt weiter, aber ich bin schon wieder bei mir. Ich werfe einen letzten Blick auf das Aquarium – das Wasser ist klar, die Steine sauber. Der Fisch schwimmt ruhig. Auch sie hat jetzt ein neues Zuhause.

Ich wende mich ab und schnappe mir das rote Top für morgen. Italien wartet. Und ich bin bereit.